Es war bislang ja schon nicht einfach, für den Sound des Hamburger Quartetts fluppe Referenzen in der Jetztzeit zu finden. Das wird mit Album #3 gewiss nicht einfacher werden – zumal sich die Band seit 2024 nicht so recht für einen Sänger entscheiden konnte und mit dem neuen Werk „Beest“ musikalisch auch noch mal stilistisch draufgesattelt hat. fluppe haben sich nämlich eher den Sound einer bestimmten Zeit als jenen zeitgenössischer Kollegen zur Inspiration hergenommen. Und das waren die 80er Jahre, als die vom Punk zur New Wave konvertierten Acts feststellten, dass man alleine mit hypermoderner Soundästhetik und Synthie-Wahn auch nicht weiter kommt und versuchten, zu einer Art von Rockmusik zurückzukehren, die aber auf keinen Fall nach den Vorgängern aus den 70ern klingen sollte.
Das geschah dann, indem man Spieltechniken anwandte, die nicht auf das Riff-orientierte Gegniedel der Kollegen aus der Mainstream-Szene aufsetzten, sondern sich in Stakkato-Rhythmen, Schrammel-Ästhetik, Kling-Klang-Sounds, und psychedelischen Wall Of Sounds-Effekten übte. Letztendlich führten diese Bemühungen über die Zeit dann unter anderem zum Shoegaze-Sound a la Slowdive, dem Wave-Pop von Acts wie The Cure, dem Single-Drive der Smiths aber auch zum Sound der frühen Hamburger Schule. All diese Elemente vereinen fluppe nun auf dem dritten Album unter der Regie von Produzent Tobias Siebert zu einem ganz eigenen Soundmix, der dann eben nicht klingt wie etwas, das derzeit ansonsten in Sachen Postpunk angesagt ist.
Tobias Siebert war es auch, der den Jungs empfahl, sich in der Hamburger Musikerkneipe Mutter nach einem neuen Sänger umzusehen – wobei die Wahl dann auf den Barkeeper Oscar Pursch selbst fiel. Der hatte dann offensichtlich keine Mühe, sich in das (übrigens klanglich bemerkenswert abwechslungsreich gestaltete) fluppe-Universum hereinzudenken und dann auch eigene Akzente zu setzen – etwa über den Song „Cola & Chantré“, den die Bio als böses Geschwisterchen zum „Wildberry Lillet“ einer Nina Chuba auslobt und in dem das Abstellgleis – und nicht die Hedonie – zum Sehnsuchtsort erklärt wird.
Inhaltlich geht es im Prinzip um die „Polykrisen“ unserer Tage, die fluppe hier – mal zynisch, mal augenzwinkernd, mal defätistisch und mal stoisch – kommentieren. Christian Klindworth – fluppe-Gründungsmitglied, Gitarrist und Haupt-Texter – ist dabei erfolgreich bemüht mit interessanten Referenzen wie z.B. auf den Hollywood-Actor Sam Rockwell, das Houellebecq Girl oder die Hard Day’s Night nach einen gebrauchten Tag im Berliner Szene-Viertel Kreuzberg – eine Balance zwischen Resignation und dem Leben vor dem Tod zu finden.
Dabei gelingen fluppe dann einige veritable Hits, wie das treibende „Dodgers“, das sowohl mir Cure-Gitarren wie auch mit poppigem Mitsing-Refrain zu überzeugen weiß, das pulsierende „Sam Rockwell“, das den Zuhörer mit einer Soundwand überrollt oder auch die hymnische Shoegaze-Nummer „Grains“ die der Wall-Of-Sound-Ästhetik des Genres neue Kapitel hinzuzufügen scheint. Echte Balladen gibt es freilich nicht, denn „Houellebecq Girl“ – der einzige Track ohne durchgängigen Beat – kommt eher in Form eines Darkwave Wave-Dramas mit einem Wechsel aus zögerlichem Innehalten und stürmischer Hysterie daher. Aber was soll’s: „Beest“ soll ja als intelligente Rockscheibe überzeugen – und das tut es dann auch.
„Beest“ von fluppe erscheint auf Rookie Records.




