Das, was das sechste Album der kanadischen Songwriterin (und studierten Drummerin) Charlotte Cornfield xvon ihrem letzten Werk „Could Have Done Anything“ unterscheidet, ist vor allem der Umstand, dass sie inzwischen Mutter einer Tochter geworden ist – wodurch sich der songwriterische Fokus vom Selbstfindungs- und Nabelschau-Modus auf eine universellere Sichtweise verlagert und Charlotte heutzutage über die Welt um sich herum singt (insbesondere über Musiker), als über ihre Innenwelt – und somit eher beschreibt als wertet, eher analysiert als wehklagt und letztlich eine stoische Position einnimmt. Insofern ist das Album – trotz des Titeltracks – von einer großen songwriterischen und auch performerischen Gelassenheit getragen.
Dazu passt dann vielleicht auch, dass Charlotte auf diesem Album mit einer Schar versierter Songwriter-Kollegen wie etwa Feist, Christian Lee Hutson, Núria Graham, Buck Meek, sowie Drummer Sean Mullins, Bassistin Bridget Kearny von Lake Street Drive und Gitarrist Ed Kemper von Palehound zusammenarbeite – und diese teilweise auch als Band beschäftigte. Das führt dann dazu, dass neben den vom Laurel Canyon-Flair getragenen, inzwischen zum Markenzeichen der Künstlerin gewordenen Balladen auch Folk Pop („Hurts Like Hell“), Indie-Rock („Lucky“) oder Cosmic American Music bzw. Country („Number“ oder „Long Game“) stilistisch ins Spiel kommen.
Ein bisschen aus dem Rahmen fällt dabei der Track „Squiddd“ – sowohl musikalisch (denn hier handelt es sich um einen verkappten Slow-Motion Walzer) wie auch inhaltlich – denn hier singt Cornfield über eine Beziehung unter Musikern und nimmt dabei als Referenz die Geschichte einer obskuren Band namens Crabbb her, deren einzigen Auftritt sie bei einem Auftritt in Montreal beobachtete und die Textzeile „I Wanna Share Files With You“ aus einem der Crabbb-Songs sie als Sinnbild für die Liebe in modernen Zeiten umdeutete.
Auf diese Weise entstand dann Charlotte Cornfields bislang nuanciertest und vielseitigste Scheibe. Dass das Material dann zwar live in Phil Weinrobes Studio in Brooklyn eingespielt wurde, aber zuvor in Tamara Lindemans Songwriter-Retreat ausgearbeitet wurde, hört man diesem Album dann buchstäblich auch an, denn es strahlt eine fast jazzige, organische Wärme aus.
„Hurts Like Hell“ von Charlotte Cornfield erscheint auf Merge Records/Cargo.




