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Die Milch macht’s
Bereits im Mai letzten Jahres beglückte uns die New Yorker Songwriterin Sophie Auster mit einer Tour in unseren Breiten, bei der sie die Songs ihres damals gerade veröffentlichten Albums „Milk For Ulcers“ präsentierte. Da diese Tour dann recht erfolgreich verlaufen war (bei der letzten Show waren fast keine Merch-Artikel mehr zu haben) und da Sophie sowieso jedes Jahr in Europa unterwegs ist – wo sie auch ihre größte Anhängerschaft hat – ließ sie es sich nicht nehmen, knapp ein Jahr später erneut bei uns aufzuspielen. Das war auch deswegen möglich, weil Sophie in Berlin eine Art Homebase etabliert hat, wo sie bei Freunden wohnt, ihren jungen Sohn sicher verwahrt weiß und wo sie mit ihren Musikern das jeweilige Programm zunächst einstudieren kann, bevor es dann mit den Shows losgeht. Die besagte Band bestand dabei erneut aus der Keyboarderin Malou Madi (die auch auf dem Album mitgewirkt hatte), dem Bassisten/Gitarristen Erez Frank und dem Drummer Chris Farr. Sophie selbst beschränkte sich dann hauptsächlich auf den Gesang – griff aber bei ausgewählten Stücken dann auch zur akustischen Gitarre.
Wie schon im letzten Jahr spielte die Band dabei auch im Hamburger Nochtspeicher – in dessen Kellerclub Nochtwache sie 2019 am Vorabend der Pandemie ihr Debüt gegeben hatte. Inzwischen ist der viel größere Nochtspeicher stets gut gefüllt, wenn Sophie Auster hier aufspielt – was deutlich macht, dass sie mit den abwechslungsreich inszenierten Songs des neuen Albums – in denen sie letztlich auf charmante Weise aus ihrem Leben erzählt – den Nerv der Zeit (bzw. des Publikums) getroffen zu haben scheint.
Offensichtlich hatte die Tour im letzten Jahr Sophie so viel Spaß gemacht, dass die Show in diesem Jahr dann irgendwie noch entspannter, gelöster und auch weniger theatralisch ausfiel als im letzten Durchgang. Sophie erzählte zwischen den einzelnen Tracks zum Beispiel im Plauderton die Geschichten hinter ihren Songs, die sich ja auch mit den eher düsteren Aspekten aus Sophies jüngster Vergangenheit betreffen. Sophie erklärte das so, dass sie nach einer für sie schwierigen, bedrückenden Phase, in der sie ihren Vater, den renommierten Autor Paul Auster, ihren Halbbruder Daniel und eine Nichte verloren hatte, nun allmählich einen Zustand der Ausgeglichenheit erreicht habe, der es ihr ermöglicht, etwas gelassener auf die Zukunft zu schauen.
Besonders die Beziehung zu ihrem Vater – der nachvollziehbarer Weise ihr größter Fan gewesen war und mit dem sie auch viel über ihre Musik diskutiert hatte – thematisierte Sophie an diesem Abend in besonderer Weise. So erzählte sie davon, dass sie ihm noch die ganze LP ‚Milk For Ulcers‘ vorspielen konnte – inklusive des Stücks ‚Blue Team‘, das sie für ihn unter Zeitdruck geschrieben hatte, als er bereits im Sterben lag; und er dann darum gebeten habe, dass sie auf seiner Beerdigung lauter lebhafte Songs singen und einen Song von Tom Waits aufführen sollte. Nach dieser einfühlsamen Einleitung – die ja auch noch ein Mal den schrulligen Humor Paul Austers ins Zentrum stellte – geriet die folgende Version des Songs „Blue Team“, den Sophie alleine mit der Begleitung von Malou Madi am E-Piano vortrug – zum wirklich berührenden Höhepunkt der ganzen Show.
Das Programm hatte Sophie im Vergleich zur letzten Tour leicht umgestellt. Natürlich standen nach wie vor die Songs von „Milk For Ulcers“ im Mittelpunkt – aber einige interessante und kluge Ergänzungen sorgten für Kurzweil. Hatte Sophie auf der letzten Tour noch den Song „Cool Cat“ von Queen und „Love You Inside And Out“ von den Bee Gees in R’n’B-Versionen zum Besten gegeben, so hatte sie dieses Mal den Laura Branigan-Song „Self Control“ mit ihren Musikern einstudiert – und hatte damit keine Mühe, das Publikum zum Mitsingen bewegen zu können, obwohl sie den Track nicht im New Wave-Setting, sondern im entschleunigten Balladen-Format interpretierte.
Auf eine zweite Coverversion hatte sie dieses Mal verzichtet, weil sie einen neuen Song namens „Man On TV“ im Angebot hatte, den sie hier erstmals dem Publikum präsentierte. Wie auch beim darauf folgenden Song „Let It Be Spring“ griff Sophie bei diesem Track zur akustischen Gitarre und präsentierte die Tracks in einem folkigen Setting. „Man On TV“ bezieht sich dabei auf Sophies Männergeschichten, denn wie sie augenzwinkernd berichtete, habe Sophie sehr viele Schauspieler gedated, bevor sie ihren Ehemann Spencer kennengelernt hatte – und die bekommen in dem Song dann ihr Fett weg.
Die vielleicht interessanteste Ergänzung des Programms stellten aber die beiden EP-Titel „Leave The Door Open“ und das abschließende „The Fall“ dar, denn diese stammen aus einer Phase, in der Sophie mit Club-Electro- und Disco-Elementen experimentierte, um nach einer für sie musikalischen Richtung zu suchen – bevor sie sich dann für die „Milk“-LP für ein eher organisches, poppiges Sounddesign entschied. Somit gab es dann gegen Ende des Sets noch mal ordentlich Bewegung auf und vor der Bühne – bevor Sophie den Fans dann nach der Show noch fast eine Stunde lang zur Verfügung stand. Einen konkreten Plan für ein neues Album gibt es zwar noch nicht – aber nach ihrer Rückkehr ins heimische New York will sich Sophie auf das Schreiben weiterer neuer Songs konzentrieren.





















