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New York State Of Mind
Zweifelsohne gehören Nick & June zu jener Art von Musikern, die genau wissen, was sie können, wo sie herkommen, wo sie hinwollen, was möglich und machbar ist und was man tun muss, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Anders als viele ihrer KollegInnen stochern Nick Wolf und Suzie-Lou „June“ Kraft (und ihre Musiker) nicht einfach zufällig in den sich ihnen bietenden Möglichkeiten herum, sondern gehen mit einer Vision zu Werke – die sich auch auf ihre Show im ausverkauften King Georg am Ende ihrer immerhin seit Januar laufenden Europa-Tour erstreckte, mit der sie ihr aktuelles Album „New Year’s Face“ präsentierten.
Das besagte Album spielten Nick & June unter der Regie des Grammy-prämierten Produzenten Peter Katis im Staat New York ein – und konnten dabei auch einige Musiker, von denen sie selbst Fans sind, zur Mitarbeit bewegen – darunter The Antlers, Russian Red und (vermutlich dank Katis’ Connection zu The National) Thomas „Doveman“ Bartlett und Owen Pallet. Die Erfüllung dieses Traumes sorgte natürlich für ordentlich Rückenwind – insbesondere unter Berücksichtigung der Tatsache, dass sich das Paar eigentlich bereits getrennt hatte und nun dennoch mit frischer Energie selbstbewusst die Mammut-Tour bestreiten konnte. Was leicht zu einer Abschiedsveranstaltung hätte werden können, entwickelte sich so zu einem Triumphzug, der dazu führte, dass es bald schon wieder auf Tour gehen wird. Denn wie es Sinatra auf den Punkt brachte: „If you can make it New York, you can make it anywhere.“ (Auch wenn er damit die Stadt, nicht den Bundesstaat meinte).
Letztlich aber führte diese Vorgeschichte dazu, dass Nick & June in Köln dann mit einer Souveränität und einem Selbstbewusstsein zu Werke gehen konnten, die zu einer perfekt durchorganisierten, musikalisch und performerisch einnehmenden und musikalisch wohl-sortierten Show führten. Vorab schon mal: Die Fans bekamen hier die absolute Vollbedienung in Sachen Nick & June geboten – was dann natürlich allenthalben für Glückseligkeit und Feierlaune sorgte.
Musikalisch bestand das Programm aus einem repräsentativen Mix der beiden LPs „My November My“ und natürlich „New Year’s Face“, dem Leonard Cohen-Cover „Chelsea Hotel #3“ sowie einigen älteren Tracks wie „Annie Hall“ aus der Frühzeit des Projektes mit Julia Kalass oder „Anytime“ von der „Beach Baby, Baby“-EP. Sehr beeindruckend an der musikalischen Umsetzung war dann der Umstand, dass es der Band ohne weiteres gelang, dem inzwischen doch recht opulenten Sounddesign der LP-Produktionen ohne weiteres zu entsprechen. Dazu hatten sie ein ganzes Sammelsurium an Instrumenten mitgebracht – neben Gitarren, Bass und Drums gab es Pedalboards von der Größe mittlerer Postleitzahlenbezirke, diverse Keyboards, ein Triggerpad, Ukulele, Mandoline und nicht zuletzt diverse Glockenspiele – die dann auch recht umtriebig bedient wurden. Trotzdem endete das dann nicht im Overkill – denn die Instrumente wurden sehr dezidiert eingesetzt, so dass der intime Charme und die Projekt-immanente Melancholia nie im Bombast versanken.
Für die Band aus Franken ist Köln ja so eine Art Diaspora (was vermutlich auch der Grund ist, dass die Show im King Georg mit am Ende der Tour stattfand) – aber insbesondere June schien Gefallen am bodenständigen Charme der Domstadt gefunden zu haben, erklärte, sich auch ein bisschen in die Mentalität der Rheinländer verliebt zu haben und lobpreiste die Schönheit des King Georg Clubs – auch wenn dieser gar keine Bühne hat. Bei unbestuhlten, ausverkauften Konzerten wie diesen ist das dann nach wie vor auch ein Problem für die Besucher, die sich nicht rechtzeitig einen Platz mit „Spielflächenblick“ gesichert haben, denn insbesondere für jene, die im Thekenbereich des Clubs (oder gar dahinter) standen, gibt es dann nicht viel zu sehen. Es führt auch dazu, dass der Plapperfaktor in diesem Bereich dann besonders hoch ist. Da hatten Nick & June aber ein Patentrezept – indem sie den Song „Trouble“ dann unplugged mit Gitarre und Glockenspiel mitten aus dem Publikum heraus präsentierten und sich so Gehör verschaffen konnten.
Größere und kleinere Höhepunkte gab es dann auch. Etwa wenn June das Publikum zum nonchalanten Mitsingen bewegte – und das dann auch noch unpeinlich Sinn machte – oder wenn sich Nick etwa bei dem Track „I & Love &“ gesanglich als Berserker verausgabte oder wenn Gitarrist Henrik bei dem Track „Husband & Wife“ psychedelisch von der Leine gelassen wurde oder sich mit Drummer Tom zum Gesangsduo verdichtete.
Natürlich waren die auf der „New Year“-LP angetretenen Gäste nicht vor Ort – aber bemerkenswerterweise gerieten gerade die betreffenden Tracks zu echten Highlights – so etwa die Retro-Pop-Ballade „The Boy With The Jealous Eyes“, bei der auf der LP Russian Red als Duettpartnerin mitmachte, oder die mit den Antlers eingespielten abschließenden, hypnotischen Powerballaden-Hymne „2017“.
Wie Nick & June es hinbekommen, die ganzen verschiedenen musikalischen Ideen, Strömungen und Stile, die ihnen songwriterisch im Kopf herumschwirren, unter einen Hut zu bekommen, ist ein bisschen rätselhaft (und führt oft zu unübersichtlichen Vergleichsorgien, die zu nichts führen) – nur soviel: Es funktioniert ganz prächtig und von den Folk-Roots haben sich Nick & June weitestgehend verabschiedet – so auch in Köln, als sie sich mit einem veritablen Band-Sound empfahlen.
Dabei liegt eine Referenz eigentlich auf der Hand, denn wie Nick nach der Show erzählte, waren Nick & June schon öfter mit dem holländischen Kollegenpaar Wolf & Moon unterwegs – und da gibt es schon gewisse Parallelen (wenngleich auch eher im Sinne, dass beide Duos eine ganz ähnliche Einstellung in Sachen „Anything Goes“ haben). Es gibt ja nun wirklich nicht allzu oft Shows, bei denen es so gut wie keine Kritikpunkte gibt – das war dann aber eine solche.




















