Nachdem die schwedische E-Pop-Künstlerin Robyn im Jahr 2010 gleich drei Projekte im Rahmen ihrer „Body Talk“-Reihe realisierte, ließ sie sich bis zum ihrem Folgealbum „Honey“ ganze acht Jahre Zeit. Wer gedacht hatte, das sei ein Ausrutscher gewesen, der sieht sich nun mit dem Umstand konfrontiert, dass sie sich für ihr jetzt vorliegendes, neuntes Album „Sexistential“ erneut acht Jahre Zeit ließ. Das hatte freilich Gründe – die zum einen in ihren Tätigkeiten als Aktivistin, Feministin und LGBTQ-Spokesperson begründet liegen – zum anderen aber auch darin, dass sie die Pandemie zu verkraften hatte, sich auf ihr Privatleben konzentrierte und beispielsweise 2023 auch Mama geworden ist.
Kommen wir aber mal zur Musik der neuen Scheibe: Ohne Umschweife darf man „Sexistential“ als ziemlich konsequentes E-Pop-Album bezeichnen, in dem organische Elemente bestenfalls noch als Samples greifen (wie etwa bei den heftigen Gitarrenparts in dem Opener und gerade als Single veröffentlichten „Really Real“) oder aber im Falle der Vocals durch eine ganze Reihe von Effekten verfremdet wurden. Obwohl alle Tracks mit knackigen Grooves und Beats unterlegt daherkommen – und somit auch ganz gut als Club-Tracks funktionieren -, kommt aber auch immer wieder Robyns Faible für (Dream)-Pop Elemente zum Tragen – beispielsweise in dem dann auch dezidiert poppig angelegten Song „Sucker For Love“ oder dem abschließenden „Into The Sun“, der die Geschichte vom Ikaros erzählt, der der Sonne so nahe kommt, dass seine Flügel verbrennen.
An anderen Stellen flirtet Robyn auch mit R’n’B- und Trap-Ästhetik und der Titeltrack „Sexistential“ – in dem sie sich wortreich Gedanken über ihre Rolle als Frau und Mutter macht – fällt insofern aus dem Rahmen, als dass er konsequent als Rap-Nummer angelegt ist und demzufolge mit subfrequenten HipHop-Beats und Coldwave-Electronica (und nicht viel mehr) unterlegt ist.
Diese konsequente Hinwendung zum Elektronischen hat auch damit zu tun, dass sich Robyn bereits 2019 bei der Produktion des Albums „Honey“ von ihrer Rolle als „Tidy Pop Queen“ zu lösen suchte und sich stattdessen darin üben wollte, mit „hypnotischen Tracks ohne Anfang und Ende“ zu experimentieren. Zumindest auf einen Großteil der neuen Tracks trifft diese Beschreibung denn auch tatsächlich zu. Das erklärt dann auch, dass sich das Projekt „Sexistential“ bereits im letzten Jahr über die Single „Dopamine“ ankündigte, die zunächst über Remixe von Jamie XX und Marlon Hoffstadt bekannt wurde. „Sexistential“ entstand in Zusammenarbeit mit ihrem langjährigen musikalischen Partner Klas Åhlund und erscheint auf Robyns neuem eigenen Label Young.
„Sexistential“ von Robyn erscheint auf Young/Beggars Group/Indigo.




