Nachdem die ursprünglich aus Australien stammende, aber lange Zeit in Europa lebende Musikerin Carla dal Forno schon zur Produktion ihres letzten Albums „Come Around“ in ihre Heimatstadt Castlemaine im Staat Victoria zurückgekehrt war, um dort im stillen Kämmerlein zu werkeln und ihre Songs auf dem eigenen Label Kallista Records in Eigenregie zu veröffentlichen, verfolgt sie auch auf dem neuen Werk „Confession“ weiterhin den Weg zur Unabhängigkeit und der Distanz zum Musikbiz – mit allen Konsequenzen. „Confession“ ist noch introvertierter und reduzierter ausgefallen als „Come Around“ – und zwar sowohl inhaltlich wie auch musikalisch.
Hier setzt Carla dal Forno den eingeschlagenen Weg der Selbstreflexion auf einer nach innen gewandten, verletzlich-intimen Art fort. Und zwar aus einer interessanten Perspektive. In persönlich gefärbten Seelenforschungstracks wie z.B. „Going Out“, „Blue Skies“ oder „I Go Back“ schildert sie zunächst Probleme, Ängste, Hindernisse und Blockaden – findet dann allerdings auf dem Weg der Erkenntnis zumindest zur stoischen Akzeptanz und auch oft genug zu Hoffnungsschimmern und einer versöhnlichen Auflösung. Vielleicht der Inhalte wegen klingt das Album denn auch nicht depressiv und düster – obwohl sich alles eher im Moll Bereich abspielt -, sondern leichtfüßig und auf gewisse Weise sogar heiter.
Musikalisch kommen auf diesem Album noch deutlicher die Einflüsse zum Tragen, an denen sich Carla dal Forno auch bislang schon orientierte. Carla schreibt ihre Songs auf dem Bass, arbeitet mit sparsam klingenden Rhythmusgitarren, verwendet Gitarren nur als Sound-Effekte, spielt mit analogen Synthie- und Heimorgel-Sounds und singt mit einer unaufgeregt warmen, fast lautmalerisch dahin gehauchten Gesangsstimme. Das erinnert dann – wohl nicht zufällig – an die Young Marble Giants, die in 1980 mit ihrer einzigen Scheibe „Colossal Youth“ ein ganzes, wenngleich singuläres Genre begründeten. Die Faszination für dieses Genre war auch schon auf Carlas letztem Album zu verspüren, schlägt aber auf dem neuen Album voll durch: Das Instrumental „Off The Beaten Track“ hätte ohne weiteres auch von der „Postcard“-EP der Giants stammen können.
Abgerundet wird das Ganze mit einer weiteren 80er Referenz: Carla dal Forno coverte den Song „Alone With You“ von der australischen Power-Pop-Band Sunnyboys, die Anfang der 80er zur Speerspitze der Aussie-Indie-Bands gehörten. Freilich tut Carla das dann auch im zuvor etablierten Retro-New-Wave-Setting. Der vorletzte Song „Gave You Up“ – bei dem eine Akustikgitarre zur Heimorgel zum Einsatz kommt – erinnert dann eher an die Cocteau Twins als an die Young Marble Giants. Trotz allem wäre es unfair zu behaupten, dass Carla dal Forno eine Künstlerin alleine für das Gestern ist, denn für das heutige Publikum klingt diese Art leicht naiver musikalischer Vergangenheitsbewältigung ja durchaus interessant, frisch und (wegen mangelnder Vergleichbarkeit mit kontemporären Acts) sogar irgendwie unverbraucht.
„Confession“ von Carla dal Forno erscheint auf Kallista Records/Cargo.




