Wenn Death Cab For Cutie nach zehn Songs dieses Album beschließen, wenn die letzten Töne erklingen, die letzten Riffs und Vocals verstummen und ganz abrupt Schluss ist, dann zuckt man fast ein wenig zusammen. Wacht auf. Aus diesem wunderschönen Albumtraum, nach diesem wunderschönen Album. Ein Traum.
Es ist irgendwie seltsam, was da passiert. Denn man merkt gar nicht, wie man in dieses Album hineingezogen wird. Wie die Musik sich nähert, wie sie mich umschwirrt und umarmt und berührt. Es passiert einfach und es bleibt so. Bis zum letzten Song.
Vieles auf dieser Platte ist ruhig, sanft, zwischen verträumt und melancholisch. Mach die Augen zu und küss mich. Nur manchmal wird es ein ganz wenig lauter. Aber selbst dann, wie bei „Punching The Flowers“ zum Beispiel, kann man natürlich nicht von lauter Musik reden. Auf die Platte passen diese Lieder absolut perfekt. Machen sie noch runder, noch spannender. Nur nicht weghören, nur nicht aufwachen und ablenken lassen. Was passiert als nächstes?
Viel passiert hier. Nur dauert es manchmal, bis es soweit ist. Denn DCFC nehmen sich hier immer wieder die Zeit. Für den Song, für die Idee. Wir drehen noch eine Runde vor dem Refrain. Wir warten noch, wir gönnen uns, wir können das machen. Und das können sie, machen sie, machen sie ganz ausgezeichnet. Niemals wird es dadurch anstrengend, immer macht es die Musik besser. Und immer machen sie es ja auch gar nicht.
Vier Jahre sind seit „Asphalt Meadows“ vergangen. Inzwischen sind sie bei Anti gelandet und vielleicht ist das ein Grund, warum Benjamin Gibbard, Nicholas Harmer, Jason McGerr, Dave Depper und Zac Rae hier so klingen, wie sie klingen. Befreit, auf eine seriöse Art entspannt, fern von Zwängen oder Erwartungen? Weiß man nicht, aber nicht nur, aber ganz besonders ein Lied wie „The Flavor Of Metal“ erinnert schon sehr an allerschönste Indie-Experimente. Cheesy bis in die Scheitelspitze, mit einem Lächeln im Gesicht, Nada Surf Gedächtnis-Pop. Und gleichzeitig ein Lied, das man Hit nennen darf.
DCFC denken nicht in Hits. Sie machen ein Album. Zehn Lieder, alle berauschend, alle faszinierend und alle möchte man immer wieder hören. Fühlen. Genießen.
“I Built You A Tower” von Death Cab For Cutie erscheint auf Anti Records/Indigo.




