Mit viel Geduld, Übersicht, Zwischentönen und der Einbeziehung immer neuer musikalischer Elemente hat sich die Londoner Saxophonistin, Produzentin, Soundkünstlerin und Songwriterin Laura Misch im Laufe der vergangenen zehn Jahre eine ganz eigene musikalische Nische erschaffen, die sich vielleicht am ehesten mit „Ambient-Pop“ umschreiben ließe. Nachdem ihre ersten beiden Alben „Playground“ und „Lonely City“ noch einen eher experimentellen Charakter aufwiesen – und ihre Wurzeln als Jazz-Musikerin deutlich erkennbar betonten -, fand sie spätestens mit ihrem elektronischen 2023er Album „Sample The Sky“ – und dessen organischem Gegenpart „Sample The Earth“ – zu jener Form aus elektronischer und organischer Synthese, die nun auch ihr neuestes Album „Lithic“ prägt.
Das Erfolgsgeheimnis bestand für Laura Misch von vorne herein darin, sich nicht etwa auf instrumentelle Klangwelten festzulegen oder auf improvisatorische Elemente zu setzen (was zu erwarten gewesen wäre), sondern ihr Material – zwar oft und gerne unterbrochen von atmosphärischen Instrumentals – in Form von strukturierten Songs anzurichten und vor allen Dingen Texte und Gesang zum Einsatz zu bringen. Neben Electronics und einem flächig angelegten, lautmalerisch eingesetzten Saxophon setzt Laura Misch auch auf dem neuen Album verstärkt auf die Einbeziehung organischer Elemente wie Streichern, Drones und Perkussion – sowie von Field-Recordings, die seit jeher einen Teil ihres künstlerischen Konzeptes bestimmen und die sie selbst als „Eco Acoustics“ bezeichnet. Musikalisch pendelt Laura dabei zwischen ambientmäßigen Klangflächen, dezenten minimalmusikalischen Akzenten, subtilen elektronischen und organischen Beats, einer dem Jazz entlehnten Harmonik und einer Prise Dreampop-Flair hin und her.
Tatsächlich ist das Thema der neuen Scheibe das musikalische Porträt einer Höhle. Der Begriff „Lithic“ bezieht sich dabei auf den Stein, aus der diese Höhle im Laufe der Jahrhunderte geformt wurde – durch Emotionen und elementare Kräfte wie Laura Misch meint. Zeit, Raum, Spiritualität und Mythologie werden dabei ebenso in das Konzept einbezogen, wie die natürlichen Klänge, die in der besagten Höhle als Klang- und Resonanzkörper entstehen. Dabei verlässt sich Laura Misch nicht einfach darauf, natürliche Klänge wie das Rauschen des Windes, den Klang der Wellen, das Klackern von Steinen oder ähnliches alleine durch ihre Field Recordings einzubinden, sondern sucht, diese Naturgeräusche musikalisch dann zu beantworten bzw. zu emulieren – etwa durch an- und abschwellende Streicher, wellenförmig arrangierte Saxophon-Figuren, die dreidimensional im Raum angeordnet sind oder durch perkussive Elemente, die mal elektronisch erzeugt werden – etwa als Bassläufe oder Drum’n’Bass-Grooves – oder etwa organisch.
Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die Ambient-Elemente, die sich so zwangsläufig ergeben, keineswegs das alleinige Gestaltungsmittel sind. „Lithic“ ist zwar eine in der Esoterik verwurzelte, aber durchaus funktionale Songsammlung geworden, die lediglich in etwas kosmisch Größeres eingepasst wurde, als in eine beliebige Playlist mit Anspieltipps.
„Lithic“ von Laura Misch erscheint auf One Little Independent/Bertus.




