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Rau, aber herzlich
In der Vergangenheit haben Floodlights die deutschen Clubs schon mehrfach mächtig aufgemischt und auch die renommierten Festivals (Reeperbahn, Rolling Stone Weekender und Haldern Pop) waren vor ihnen nicht sicher. Jetzt steht die australische Band mit ihrem wuchtigen Sound, der Indierock, Americana (oder besser: Australiana) und Springsteen’sche Grandezza vereint, erneut auf deutschen Bühnen. Auch bei ihrer Rückkehr nach Haldern hat das Quintett keine Mühe, ihr Publikum von Beginn an mitzureißen und sich als Erben ihrer Landsleute Midnight Oil zu empfehlen.
In Haldern mögen sie Bands aus Australien und Neuseeland. Nach The Tullamarines und Ringlets sind Floodlights bereits die dritte Band vom anderen Ende der Welt, die in den letzten Wochen am Niederrhein zu Gast ist – und auch die dritte, die mit einem ungeschminkten, ehrlichen Sound und einem betont herzlichen Auftreten faszinieren kann. Da Floodlights wenige Tage zuvor sogar als Support von Nick Cave And The Bad Seeds in Österreich auf der Bühne standen, überrascht das natürlich nicht wirklich.
Um Punkt 21.00 Uhr legt die in Melbourne ansässige Band – zwei Damen, drei Herren – los und stürzt sich ohne großes Zögern in ein rund 70-minütiges Set, das oft mit bemerkenswerter Dynamik besticht. Schließlich hat die Band auf ihrem aktuellen dritten Album, „Underneath“, das rastlose Unterwegssein auf Tour, die Weite der australischen Landschaft und die kleinen, privaten Turbulenzen des Alltags eingefangen. Das hat auch klanglich Spuren hinterlassen.
Nicht zuletzt dank der neu hinzugestoßenen Keyboarderin und Trompeterin Sarah Hellyer präsentieren sich Floodlights nun facettenreicher denn je und ersetzen die Hemdsärmeligkeit ihrer frühen Werke nun durch ein spürbar volleres und reichhaltigeres Klangbild, das zwischen roher Energie, tief empfundener Emotionalität und unwiderstehlicher Eingängigkeit bemerkenswerter detailliert und kraftvoll ist. Das gilt für „Can You Feel It“ genauso wie für „JOY“, bei dem der Titel Programm ist. Bei „Things To Do“ ist dann aber auch mal Raum für besinnlichere Töne. Obwohl das letzte Album erst ein Jahr alt ist, gibt es sogar eine Reihe neuer Songs zu hören.
Dass dabei bisweilen nicht nur der Geist von Midnight Oil, sondern auch der von The Church durch den Raum zu schweben scheint, unterstreicht die enge Verbindung der durch Bassist Joe Draffen und Drummer Archie Shannon komplettierten Band zu ihrem Heimatland.
Neben der markant-rauen Stimme von Sänger und Gitarrist Louis Parsons (oft kontrastiert durch den Harmoniegesang von Hellyer und Gitarristin Ashlee Kehoe) haben Floodlights aber durch den Einsatz von Mundharmonika und Trompete genug Eigenheiten, um sich von ähnlich inspirierten Bands abzusetzen. Wer bei diesen Liedern da bisweilen an endlose Highways und einsame Küstenstraßen denkt – in Melbourne ist ja die malerische Great Ocean Road nicht weit -, liegt sicher nicht ganz falsch.
Im Spannungsfeld von entwaffnender Ehrlichkeit und beeindruckender Intensität – gerade gegen Ende der Show zieht auch das Tempo bei „Lessons Learnt“ und der ungeplanten Singalong-Zugabe „Painting On My Time“ noch einmal merklich an – sorgen Floodlights so selbst trotz 35-Grad-Hitzewelle in der Pop Bar dafür, dass viele Menschen mit strahlenden Gesichtern und der wortlosen „Oh, oh-oh-oh“-Bridge des letzten Songs auf den Lippen glücklich nach Hause gehen.

















