Platte der Woche KW 37/2026
15 Jahre lang hat Nate Amos Anlauf genommen, doch inzwischen darf man den smarten, in Brooklyn heimischen Tausendsassa ohne rot zu werden als (un-)heimlichen Superstar der amerikanischen Indie-Szene bezeichnen. Nach zahllosen DIY-Veröffentlichungen seines Soloprojekts This Is Lorelei ist er zuletzt auch mit seiner Band Water From Your Eyes richtig durchgestartet und durfte sich über Coverversionen seiner Songs von Größen wie Wilco-Mastermind Jeff Tweedy, MJ Lenderman, Waxahatchee, Snail Mail und Geese-Frontmann Cameron Winter freuen.
Mit „The Singer In My Band“ unterstreicht der 35-Jährige nun, dass Genregrenzen für ihn tatsächlich Schall und Rauch sind, wenn er für die neue Platte bei Liedern wie „The Kid With The Crown“ oder „Billy Came Back“ collagenartige Elektronik gegen einen warmen Americana-Sound und akustische Geradlinigkeit eintauscht. Nachdem er sich in der Vergangenheit bereits melancholischen Chamber-Pop, dunkel funkelnden Post-Punk und schräge Indie-Ohrwürmer aus dem Ärmel geschüttelt hatte, ist sein neues Westentaschen-Meisterwerk im Kern ein herrlich relaxtes Country-Album, auf dem angestaubte Nashville-Klischees des Genres wegen der DIY-Tugenden, der NYC-Hipness und der Unbestechlichkeit des Protagonisten kaum eine Chance haben.
Auf „Singer In My Band“, das wird schon nach wenigen Songs deutlich, setzt Amos ganz auf die Reduktion. Die Songs entstanden größtenteils während einer Welttournee auf den Fahrten von einem Konzert zum nächsten und tatsächlich klingen sie auch so, wenn Einflüsse aus Bluegrass und klassischem Songwriting in bittersüßen Melodien münden. Nummern wie das Titelstück (mit Amos‘ Vater Bon am Banjo!) versprühen eine intime Lagerfeuer-Atmosphäre und unterstreichen so, dass Amos‘ eigentliche Stärke in der Schlichtheit liegt.
Seine Songs glänzen durch entwaffnende Ehrlichkeit, humorvolle Selbstironie und unaufgeregte Melancholie, und erinnern so bisweilen fast ein wenig an Elliott Smith.
Wo frühere This Is Lorelei-Veröffentlichungen oft im hyperaktiven Genre-Hopping versanken, findet Amos nun endgültig seine eigene Stimme und eine neue Klarheit. Das macht aus „The Singer In My Band“ ein bemerkenswert zeitloses Werk, das zeigt, dass weniger manchmal eben doch viel mehr ist.
„The Singer In My Band“ von This Is Lorelei erscheint auf Matador/Beggars Group/Indigo.



