Wer in unseren modernen Zeiten ein hippiesques Folkalbum mit leichten psychedelischen Akzenten und warmer, organischer Produktion einspielen möchte, braucht dabei ja schon eine Idee, die über die authentische Reproduktion des klassischen Bay Area- und oder Laurel Canyon-Sounds der seligen 60er hinausgeht. Für die inzwischen in Kalifornien lebende Songwriterin Biita Houdei war das dann ein sehr anspruchsvolles Unterfangen.
Zunächst mal: Bislang veröffentlichte die Songwriterin unter ihrem richtigen Namen Lisa Houdei vier Longplayer mit experimenteller, radikal reduzierter Folk-Musik unter dem Moniker LéPonds. Übung in Sachen Folk hatte sie also bereits. Für ihre Debüt-LP. „This Bed Is Made For Me“, die sie unter ihrem neuen Namen „Biita“ (= „einzigartig“ auf Farsi) veröffentlicht, um auf ihre persischen Roots einzugehen, brauchte sie also einen neuen Ansatz.
Es entstand schließlich die Idee, die LP korrespondierend mit einem Quilt zu gestalten. Das mag für uns Zentraleuropäer eine seltsame Idee sein (denn ein Quilt ist nun mal eine Bettdecke), liegt aber für traditionell konditionierte Amerikaner eigentlich auf der Hand, denn das gemeinschaftliche Erschaffen einer Bettdecke ist dortselbst ein traditionelles Mittel, in der Gemeinschaft Geschichten zu erzählen und diese auf diese Weise zusammenzuhalten. Denn die einzelnen „Kacheln“ aus denen die Bettdecke schließlich zusammengesetzt wird, erzählen bildlich kleine Geschichten, wie das in der Musik nun mal Songs tun. Will meinen: Zu jedem Songs auf der Scheibe gibt es einen korrespondierenden Quilt-Flicken und umgekehrt. Beispielweise eine zu dem Song „Life Inside The Hourglass“, die eine Sanduhr zeigt, in der Vögelchen herumschwirren.
Auf der Scheibe geht es um klassische Songwriter-Selbstfindungsthemen wie „Liebe und Herkunft, vom Wagnis, etwas zu riskieren, von der Kostbarkeit der Zeit und dem Einfluss, den wir alle auf die Welt um uns herum haben“, wie es in der Bio heißt. Die musikalische Umsetzung setzt dabei auf fast mantra-artige, hypnotische Wiederholungen von Grundideen, über die dann die Lyrics stream of consciousness daraufgesetzt werden, was – neben einigen produktionstechnischen Quirks – den eigentlich psychedelischen Charakter des Projektes ausmacht. Das Ganze kling demzufolge teilweise recht transzendent und wie so eine Art Traum im Traum, was dann auch am verhallten Vortrag liegt.
Der warme, organische Sound, den sich Biita für die Produktion ausbedungen hatte, war hingegen keine besondere Herausforderung – da Biita seit kurzem in Topanga Bay (also mitten im Herzen der Szene) lebt und arbeitet und sich zusammen mit ihrer Freundin und Labelkollegin Haley Heynderickx als Co-Produzentin und Engineer Sahil Ansari darauf konzentrieren konnte, den Geist dieser Szene mit jenem der Musik aus den Ozarks und Catskills zu verquicken, wo sie zuvor lebte. Eingespielt wurde das Material dann in Portland, Oregon (der Heimat von Haley und dem Sitz des gemeinsamen Labels) in einem analogem Studio mit vintage Equipment.
An Authentizität mangelt es hier also wirklich nicht. Eher dann schon an jener Art von strukturiertem Songwriting, das man mittlerweile auch aus dieser Richtung gewohnt ist – also strukturierte Songs mit erkennbaren Strophen/Refrains und gegebenenfalls Melodien. „The Bed Was Made For Me“ ist aber aus einem ganz anderen Holz geschnitzt – soll also ja auch keine Pop-Musik sein und ist deswegen eigentlich eher für Leute geeignet, die musikalisch zwischen den Zeilen lesen können und sich ihre eigenen Welten zum Gehörten erschaffen mögen.
„This Bed Was Made For Me“ von Biita Houdei erscheint auf Father Daughter Music.




