Zwölf Jahre nach ihrer letzten Platte kommen Echo & The Bunnymen überraschend mit einem neuen Album um die Ecke, ihrem dreizehnten. „Apples For Isaac“ knüpft an den Sound der 80er an, klingt ein wenig nach den Simple Minds mit einer Dosis XTC (gemeint ist die Band) und auch der leichte Hall in Ian McCullocks Stimme ist wieder da. Ein „Killing Moon“ ist zwar nicht dabei, doch weisen die elf Songs einige Ohrwürmer auf, allen voran die Single „Brussels Is Haunted“.
Echo nannten die Bandgründer Ian McCullock und Will Sergeant die Drummachine, die sie anfangs verwendeten, bis sie mit Pete De Freitas einen menschlichen Drummer hinzunahmen. Nach dessen Unfalltod wechselten die Schlagzeuger, für das aktuelle Album haben sie den Blondie-Drummer Clem Burke engagiert, dessen dynamisches Spiel zehn der elf Songs bereichert. Tragischerweise erlag er im letzten Jahr dem Kampf gegen den Krebs. Für ein geplantes Blondie-Album soll er ebenfalls noch getrommelt haben.
Die Stücke bewegen sich alle um die dreieinhalb Minuten, klassisches Songformat ohne unnötige Gimmicks. Wie gewohnt steuert Sergeant geschmackvolle Gitarrenbögen ein, Streicher und Keyboards ergänzen die Arrangements. „Brussels Is Haunted“ hat das Zeug zum Klassiker mit Handclapping und Shalala-Chor. Assoziativ listet der Text Dinge auf, von denen die belgische Hauptstadt heimgesucht worden sei: Belangloses wie das One-Hit-Wonder Plastic Bertrand, Cassis oder Craft Beer wird kombiniert mit den beiden Weltkriegen und einem dritten, der prognostiziert wird. Eine krude Mischung zum fröhlichen Sound. Das nachdenkliche „An Unstoppable Force“ blickt auf die Endlichkeit des Lebens. Dagegen schaut „The Light That Surrounds You“ optimistisch in die Welt. McCullocks nasaler Gesang im Refrain ähnelt der Intonation von Coldplays Chris Martin.
Die Bunnymen kommen aus Liverpool, der Stadt des Merseybeats und der Beatles. Das verpflichtet zu anspruchsvollerem Songwriting. „Ich schreibe schlichtweg Songs, die sich gut anhören und eine hübsche Melodie haben. Wir möchten einfach etwas machen, das gut und atmosphärisch ist“, zitiert das Rock-Lexikon McCullock. Dem Anspruch wird er zwar meist gerecht. „Honey“ allerdings hätte noch ein wenig reifen können wie die Äpfel auf dem Cover. Ob mit den Äpfeln für Isaac, die „Hijacked“ besingt, der Gravitationsentdecker Isaac Newton oder die Apfelsorte, die nach ihm benannt wurde, gemeint ist oder ob auf Isaac Asimov angespielt wird, dem ein Stück gewidmet ist und dessen „Foundation“-Trilogie von Apple verfilmt wurde – so genau weiß man das bei McCullock nicht.
Gesellschaftskritischen Anspruch haben „Can’t Be Sold“ mit Jingle-Jangle-Gitarre und „Lab Rats Ran“ mit einem dramatisierenden Saxofon. Gern hätte man ein Booklet mit den Lyrics, den mitwirkenden Musikern und einer Erinnerung an Clem Burke aus der Hülle gezogen. Stattdessen stecken dort zwei quadratische Blättchen mit Apfelzeichnungen auf Kinderniveau. So etwas brauchen Eltern vom eigenen Nachwuchs, sonst niemand. „Where Are We Going?“ fragt McCullock am Ende von „Take Me By The Hand“. Mal schauen, ob das Album eine Echo & The Bunnymen-Renaissance einleitet oder ob der Fan wieder zwölf Jahre auf ein neues Album warten muss.
„Apples For Isaac“ von Echo & The Bunnymen erscheint auf BMG.



