Johnny Marr ist bereits Fan: Der legendäre The-Smiths-Gitarrist adelte die Newcomerin Chloe Slater unlängst bei der BBC in Jo Whileys Show auf Radio 2 als „dead cool“ und lobte besonders ihre Single „Tiny Screens“.
Tatsächlich liefert die 23-jährige Britin mit ihrem programmatisch „Riot Youth“ betitelten Debütalbum ein beachtliches musikalisches Ausrufezeichen ab. Ihr Weg begann in der Küstenstadt Bournemouth, deren winterliche Isolation ihre frühen Songwriting-Wurzeln prägte, bevor es sie nach Manchester zog.
Dort verschaffte sie sich über die lebendige lokale Open-Mic-Szene und virale TikTok-Erfolge wie „24 Hours“ eigenständig die nötige Aufmerksamkeit. Auftritte bei renommierten Festivals wie dem RBF in Hamburg und dem London Calling in Amsterdam folgten.
Auch wenn das Ganze Puristen vielleicht etwas zu offensichtlich klingen mag: Musikalisch bewegt sich das Album gekonnt auf dem schmalen Grat zwischen druckvollen Indie-Rock-Gitarren und eingängigen Pop-Melodien, die Art von Sound also, die hierzulande BROCKHOFF perfektioniert hat,
Slaters größte Stärke liegt in ihrer ungeschönten textlichen Direktheit: Sie nutzt oft einen markanten, fast schon gesprochenen Gesangsstil, um die brennenden Sorgen ihrer eigenen Generation zu sezieren. Thematisch verhandelt das Werk eine treffsichere Mischung aus Zukunftsangst, der Klimakrise und der lähmenden Isolation durch soziale Medien, verliert dabei jedoch nie den Blick für humorvolle Alltagsbeobachtungen.
So persifliert das mitreißende „Can I Finish Please?“ augenzwinkernd hitzige politische Diskussionen am familiären Esstisch, während Stücke wie „Southern Youth“ eine ehrliche, unromantisierte Sehnsucht nach der verlassenen Heimat einfangen.
Obwohl die stilistische Zerrissenheit zwischen wütendem Post-Punk-Grit und glatten, radiotauglichen Strukturen an manchen Stellen noch etwas unentschlossen wirkt, fängt Slater das Lebensgefühl einer entwurzelten Jugend authentisch ein. Es ist ein starker, reifer Erstling, der mit unbändigem Enthusiasmus eine Brücke von jugendlicher Wut zu smarter Pop-Sensibilität baut.
„Riot Youth“ von Chloe Slater erscheint bei Stolen Juice/AWAL.




