Ein Comedian wird aus Mark Oliver Everett nicht mehr werden. Der frühe Tod von Vater, Schwester und Mutter prägt sein überwiegend pessimistisches Lebensgefühl. Doch auch auf seinem 16. Studioalbum mit den Eels, „Cookie Happened“, bricht Sarkasmus die lähmende Starre des In-Sich-Gefangenseins inmitten einer düsteren Welt. Denn E, wie sich Everett als Künstler nennt, ist tatsächlich ein verkappter Humorist. Besser ist, wenn man trotzdem lacht. Der Albumtitel „Cookie Happened“ gehe zurück auf einen der größten Philosophen unserer Zeit, das Krümelmonster, und dessen weisen Aphorismus: „Me no cry because cookie is finished. Me smile because cookie happened.“ Das klingt doch versöhnlich: Dankbarkeit für das Erlebte und Gewonnene, Hinnahme des Traurigen, des Verlustes, des Alltagsärgers.
Der Eels-Fan fühlt sich mit „Clobbered“ sofort heimisch in der musikalischen Welt des Herrn Everett. Rumpeliger Folk, angeschrägte Streicher, lakonischer, leicht heiserer Gesang. Ein Kontrast aus niedergedrückter Stimmung und aufgeweckter Musik. In der Single „Cap In Hand“ legen die Streicher einen harmonischen Teppich aus, der Bass pluckert wohlig. Es habe keinen Sinn, immer neue Zäune zu errichten, kommentiert E in dem einprägsamen Refrain. Der aufgeräumte Popsong „Bamboozled Again“ ist der heimliche Hit der Platte. „Bamboozled“ heißt „beschwindelt“, und E sieht das Stück – wie auch „Dum Dums“ – als politisch an, bleibt aber eher bei einer Gesellschaftskritik, die nicht Politiker in den Blick nimmt, sondern alle Erdbewohner, sich selbst eingeschlossen. Schließlich müsse sich der Mensch bewusst sein, dass er ein Idiot sei, der hoffentlich die richtigen Schlüsse aus dieser Erkenntnis ziehe, singt Everett in „Lost And Barking“. Mit einer präsenten E-Gitarre kommt der Song dem Rock am nächsten.
Für Millionen von Jahren sei die Welt gut ohne Menschen ausgekommen. Dann verbringt ein Individuum eine kurze Zeit auf diesem Planeten und ist schnell wieder vergessen. Eine nihilistische Weltsicht und natürlich die Wahrheit. Ein getragenes Filmmusik-Orchester und Everetts Crooning verzaubern die Gänsehaut-Ballade „All Forgotten“ zu einem modernen Indie-Klassiker. „This is what hit songs are written about, right?“ schätzt E das Potenzial des Stücks selbstbewusst ein – mit Selbstironie, denn Hitsingles der Eels findet man schon länger nicht mehr in den Charts.
Meist drehen sich die Texte um E selbst und damit oft exemplarisch um den Menschen schlechthin mit all seinen Makeln. „Taking Pictures“ fragt zu tastenden Piano-Tönen bitterböse, was ein Leben im Auktionshaus bringe. „New Story“ hadert mit dem Altwerden, doch nun sei es Zeit, ein neues Lebenskapitel zu schreiben. Zwar jubilieren die Geigen, aber so richtig zuversichtlich klingt das bei E nicht. Doch in „Congratulations To Me“ gratuliert sich der Protagonist mit sonorer Stimme selbst, einen Aufbruch gewagt zu haben. Ein Weg könnte sein, Freunden in der Not eine Stütze zu sein. „I’m On Standby“ spendet demjenigen Trost, der vor den Scherben seiner Existenz steht: das Herz gebrochen, der Hund krank, das Auto kaputt, Geld weg und der Boss wartet nur auf eine Gelegenheit für einen Rauswurf. Am Ende steht die Selbstannahme: „Try to keep in mind / It’s how I was designed / Some for better / Some for worse“, singt E in „The Way I Was Made“ zur Akustikgitarre; wie durch einen Vorhang klingen verhaltene Streicher als ein Echo der unwirtlichen Welt herüber, mit der es sich zu arrangieren gilt.
Koool G Murder und P-Boo unterstützten E beim Songwriting und Performen. Unklar bleibt, wer sich hinter dem One Dazzle Orchestra verbirgt, das zahlreichen Songs die passende Atmosphäre verpasst und für das rechte Eels-Gefühl sorgt. In „One Razzle, One Dazzle“ berichtet E von Empfehlungen der Plattenfirma, mit jugendsprachlichen Comic-Begriffen ein jüngeres Publikum zu catchen: „You gotta wow them / Zonk, biff and pow them“. Solch eine Anbiederung ist dann doch nicht Everetts Sache. Darauf ein herzhafter Biss in einen Cookie. Vielleicht ist es ein Glückskeks.
„Cookie Happened“ von Eels erscheint auf E Works/Play It Again Sam.




