Auf den ersten Blick könnte man den Titel des neuen Albums von Courtney Barnett für eine Mogelpackung halten. Schließlich gingen dem vierten Album der Lichtgestalt des australischen Indie-Folk eine ganze Reihe einschneidender Veränderungen voraus, die nicht ganz zum titelgebenden Gewohnheitstier passen wollen.
So gab Barnett vor wenigen Jahren ihr Tastemaker-Boutique-Label Milk! Records auf, das sie 2012 mit ihrer früheren Partnerin Jen Cloher aus der Taufe gehoben hatte, packte ihre Sachen, um Melbourne Richtung Los Angeles zu verlassen, und auch ihrem langjährigen Label Marathon Artists kehrte sie den Rücken, um bei Fiction Records an die Majorlabelwelt des Branchenriesen Universal anzudocken.
Da überrascht es natürlich kaum, dass „Creature Of Habit“ von Songs bestimmt wird, mit denen sie diese Veränderungen und den damit verbundenen Sprung ins Ungewisse nachzeichnet. Schwierige Gefühle werden so unumwunden zum Ausdruck gebracht. Was allerdings ein wenig fehlt, sind die Antworten auf all die Fragen, die hier aufgeworfen werden.
In der Vergangenheit war es Barnetts größtes Talent, das Alltägliche, das Schöne und das Zufällige einzufangen und uns abstruse Anekdoten mit lakonischem Witz vor Augen zu führen. Mit „Creature of Habit“ dagegen stehen die Zeichen nun auch künstlerisch auf Veränderung – textlich, aber gerade zu Beginn auch klanglich.
Gleich den post-punkigen Opener „Stay In Your Lane“ umweht das untrügliche „Schluss mit dem Quatsch, jetzt wird Geld verdient“-Mainstream-Gefühl, das vor 30 Jahren noch ein großes „Ausverkauf!“-Gejammer in der Fanbase ausgelöst hätte, heute aber offenbar als notwendiges Übel stillschweigend akzeptiert wird – oder sogar als Zeichen von künstlerischem Wachstum gefeiert wird.
Auch das ungeniert poppige „Wonder“ und das countryeske „Site Unseen“, das Barnett gemeinsam mit Waxahatchees Katie Crutchfield trällert, gehören mit unaufdringlicher Gefälligkeit in die Kategorie „Das macht man heute so, wenn man im Konzert der Großen mitspielen will“.
Nicht, dass diese Songs schlecht wären, aber es ist doch auffällig, wie sehr sich Barnett hier offenbar bereitwillig gängigen Erfolgsmustern anschließt, anstatt wie zuvor dem (Indie-)Mainstream idiosynkratisch die Stirn zu bieten und ihre Einzigartigkeit zum Erfolgsgaranten zu machen. Aber wenn man John Congleton als Produzenten engagiert, bekommt man halt, wofür man bezahlt.
Mit dem nachdenklichen Liebeslied „Mostly Patient“ beweist Barnett danach allerdings, dass sie nicht vergessen hat, was sie in der Vergangenheit zur Ikone einer ganzen Generation von Indierockern und Indierockettes gemacht hat, wenn sie sich zum Klang einer einsamen Stromgitarre in die Karten schauen lässt.
Auch das sonnendurchflutete „One Thing At A Time“ dreht sich inhaltlich um die Umbrüche der letzten Jahre und den Kampf mit den inneren Dämonen, den sie auch in ihrer neuen Wahlheimat weiter ausfechten muss. Klanglich dagegen fällt das „L.A.-Update“ nicht nur wegen des J-Mascis-würdigen Gitarrensolos bei diesem Song deutlich behutsamer aus als beim Eröffnungs-Trio.
Das gilt dann auch für die weiteren Songs des Albums – allen voran die lebendige Indie-Pop-Nummer „Sugar Plum“, das heimliche Highlight des kompletten Albums -, bevor die Platte mit dem Schlussstück „Another Beautiful Day“ mit einem Hauch von Twee-Pop versöhnlich ausklingt.
„Creature Of Habit“ von Courtney Barnett erscheint auf Fiction Records/Universal.




