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Einfach so zum Spaß
Eine freudestrahlende Band und ein im wahrsten Sinne des Wortes einmaliges Konzerterlebnis – das sind The Tullamarines in Haldern! Auf den ersten Blick macht das junge Quartett aus dem australischen Adelaide mit seiner patentierten Mischung aus melancholischen Texten und euphorisch-tanzbaren Indie-Pop-Hymnen nicht viel anders als Tausende Seelenverwandte, die derzeit den Zwischenraum zwischen Indie und Mainstream besetzen, der den Einzug in die begehrten Playlists der Streaming-Dienste verheißt. Doch entwaffnende Herzlichkeit, viel Spaß am eigenen Tun und eine ganz besondere Setlist machen aus ihrem allerersten Auftritt in Deutschland trotzdem ein Konzert, an das viele im Saal lange gern zurückdenken werden – und das nicht nur, weil die Band ihr Tasteninstrument nicht etwa auf einem Keyboard-Ständer, sondern auf einem Bügelbrett platziert hat.
„Cosy-Pop“ nennen Fans und Medien den Stil der Tullamarines gerne, und deshalb kann man sich für ein Konzert von ihnen kaum einen besseren Ort als das heimelige Fast-wie-im Wohnzimmer-Ambiente der erstaunlich gut gefüllten Haldern Pop Bar vorstellen. Schon bevor überhaupt ein Ton gespielt ist, strahlen die Bandmitglieder Josh, Angus, Benny und Lucinda eine authentische Wärme und Herzlichkeit aus, die sofort eine willkommene Wohlfühlatmosphäre schafft.
Zum Warnspielen kickt die Band am vorletzten Abend ihrer Europatournee einen Fußball durch den Garten der Pop-Bar, und auch sonst genießen die vier ihren Abstecher an den Niederrhein in vollen Zügen. „Wenn wir sagen, dass wir einen magischen Tag hier in Haldern hatten, wäre das noch untertrieben“, lassen sie ihr Publikum gleich zu Beginn wissen. „Deshalb haben wir uns entschieden, heute ein ganz besonderes Set zu spielen. Wir haben das noch nie gemacht und werden es vermutlich auch nie wieder tun. Heute spielen wir jeden einzelnen Song, den wir bislang veröffentlicht haben in chronologischer Reihenfolge – einfach so zum Spaß!“ Statt der üblichen 25 Minuten, die sie bei vielen Festival- und Supportshows auf der Bühne stehen, gibt es in Haldern deshalb über eine Stunde lang Musik.
Schön auch, dass sich The Tullamarines, anders als so viele junge Acts heute, nicht nur als Frontperson plus Begleitung, sondern als echte Band präsentieren. Die Bandmitglieder wechseln sich ständig am Mikrofon ab und auch sonst darf man das Gefühl haben, dass alle vier wirklich eine ganz eigene Persönlichkeit und Klangfarbe einbringen, die auf der Bühne zu seiner kraftvollen, organischen Einheit verschmelzen.
Zu dieser Einheit gehört gewissermaßen auch das Publikum. Denn so unvoreingenommen The Tullamarines in ihren Songs Höhen und Tiefen des Lebens zwischen verletzlicher Ehrlichkeit und ansteckender Spielfreude teilen, so nah sind sie den Menschen im Saal. Dass eine Ansage zwischen zwei Songs schon mal durch ein überraschtes „Huch, ein Trekker!“ unterbrochen wird, als draußen ein Landwirt aus Haldern vorbeifährt und alle Bandmitglieder sofort die Hälse recken, sagt eigentlich alles über die ungezwungene Atmosphäre aus, die die Band auf der Bühne verbreitet.
Musikalisch tragen The Tullamarines den Geist des radiofreundlichen 90er-Indie in die Gegenwart und haben bei (un-)heimlichen Hits wie „Lying“ oder „OMG“ keine Mühe, den Sweetspot zwischen Zeitlosigkeit und Zeitgeist zu treffen. Letztere Nummer hatten sie übrigens vergessen, auf ihre Servietten-Setlist zu schreiben, doch sie bemerken den Fehler gerade noch rechtzeitig. An anderer Stelle mogeln sie aber noch ein wenig. Zwei Songs ihres Oeuvres schlabbern sie nämlich bewusst. „Ugly Cry“ und „Points For Trying“ haben es nicht auf die Setlist geschafft, weil sie zu kompliziert sind, um live gespielt zu werden…
Die chronologische Reihenfolge der Songs bedeutet, dass es mit baby steps losgeht. Am Anfang stehen mit „The Lonely One“ oder „Television“ teils lange nicht mehr gespielte Frühwerke, bei denen sich die Band bisweilen erst einmal vergewissern muss, ob sie die Nummern überhaupt noch spielen kann. Ganz am Ende gibt es mit dem treffenderweise „Something More“ betitelten letzten Song sogar eine brandneue, unveröffentlichte Nummer, die einen ersten Ausblick auf die Debüt-LP gibt, die The Tullamarines noch in diesem Jahr aufnehmen wollen. Natürlich darf auch der stadiontaugliche Ohrwurm „Running On Empty“ nicht fehlen, der nicht ganz zufällig der mit deutlichem Abstand meistgestreamte Song der Band ist. Ebenso wie viele andere Songs tauscht er live die Hochglanz-Qualitäten der Studioversion gegen spürbar mehr Wumms ein.
Existenzielle Sorgen, Versagensängste und die Herausforderungen des Alltags werden hier in bittersüße, vielstimmige Mitsing-Melodien verpackt, die wie gemacht dafür sind, der harten Realität des Hier und Jetzt zumindest für die Dauer des einstündigen Auftritts zu entfliehen und mit einem Grinsen im Gesicht neue Energie zu tanken. In der Haldern Pop Bar geht es im Juni derweil munter mit vielversprechenden Acts aus Downunder weiter. Am 07.06.2026 werden Ringlets aus Auckland zu Gast sein und am 24.06.2026 Floodlights aus Melbourne. Wir freuen uns darauf!


















