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Unberechenbar, aber gewaltig
Unberechenbar, aber gewaltig – so präsentieren sich Pales bei ihrer Rückkehr nach Haldern. Im vergangenen Jahr war die Band bei der sommerlichen Festivalsause zu Gast und ließ ihren Auftritt im kleinen Tonstudio Haldern sogar vom WDR-Rockpalast verewigen. Bis auf ein paar Handys bleiben die Kameras dieses Mal aus, wenn Pales in der trotz fast 40 Grad Außentemperatur gut gefüllten Pop Bar die Magie des Moments zelebrieren. Pales sind ein gefeiertes Quintett aus dem französischen Straßburg, das mit seinen Songs zwischen Garagen-Rock-Wucht, Post-Punk-Kantigkeit und Indie-Zeitgeistigkeit Stellung gegen Diskriminierung bezieht, sich für Sichtbarkeit der queeren Community einsetzt und mit der unfassbar charismatischen Célia Souarit eine Frontfrau hat, die ältere Semester vielleicht ein wenig an Skin von Skunk Anansie erinnern könnte.
Andere Clubs machen Sommer- oder WM-Pause, aber in Haldern drehen sie den Spieß einfach um. Während sonst in der Regel zwei bis drei Konzerte pro Monat in der Haldern Pop Bar reichen müssen, waren es allein in den letzten vier Wochen mehr als ein halbes Dutzend. Zwei Tage nach dem mitreißenden Auftritt der australischen Floodlights schaut mit Pales deshalb gleich die nächste verheißungsvolle Band am Niederrhein vorbei.
Schubladendenken scheint der Band fremd zu sein. Lieber stellen Pales die Überwindung von Genregrenzen in den Mittelpunkt ihres Tuns und setzen das Publikum einer ästhetischen Reizüberflutung aus, die zwischen hypnotischer Anziehungskraft und nackter Aggression schwankt.
Pales, das ist von Beginn an klar, sind eine Band, die man live erleben muss. Oft können die Studioversionen der Songs nur andeuten, mit welcher Intensität, ja, bisweilen geradezu Brutalität der biestige Sound der fünf Musikerinnen und Musiker über das Publikum schwappt. In diesen von unbändiger Energie befeuerten Liedern wird urbane Härte genauso greifbar wie die Coolness französischer Underground-Clubs.
Mal scheinen die Riffs aus der Noise-Rock-Welt zu stammen, dann wieder gibt es Schlenker zum Industrial-Rock oder technoider Monotonie, und sogar ein Hauch poppiger Melancholie darf nicht fehlen. Anders gesagt: Dies ist der Klang einer Band, die ihr Heil in der Flucht nach vorn, im lärmigen Tumult sucht – Ausflüge ins Publikum inklusive.
Das emotionale und visuelle Zentrum dieser Performance bildet unbestreitbar die geradezu magnetische Bühnenpräsenz des unablässig tanzenden, hüpfenden und antreibenden Sängerin Souarit, die mit beeindruckender Lässigkeit zwischen ausgespuckten Spoken-Word-Zeilen, hingehauchten Chansons der Düsternis und wütend herausgeschrienen Zeilen wandelt, um ihren Schmerz – und, so darf man zumindest glauben, den einer ganzen (französischen) Generation – so direkt und unumwunden wie möglich erfahrbar zu machen.
Es ist genau diese Unberechenbarkeit, die das knapp 60-minütige Konzert zu einem packenden Erlebnis macht – und dass Souarit dem Publikum nach dem letzten Ton lachend noch den Ratschlag „Fight the Capitalism“ mit dem den Weg gibt, hat auch nicht geschadet.





























