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Härter, kompromissloser, lauter: Mit ihrer neuen EP „Devotion“ erfindet sich die Düsseldorfer Psychedelic-Rock-Band Bloodflowers vielleicht nicht komplett neu, unterstreicht aber eindrucksvoll, dass stetige künstlerische Veränderung auch weiterhin ein wichtiger kreativer Motor für sie ist. Während uns ihre frühen Konzerte zu Vergleichen mit Khruangbin inspirierten und sich das Quartett auf dem vor drei Jahren veröffentlichten Konzept-Debütalbum „Nebula“ bisweilen an die Fersen von Pink Floyd zu heften schien und sogar Pop im Fleetwood Mac’schen Sinne nicht außen vor blieb, weichen die sphärischen Träumereien nun einem spürbar direkteren, raueren Sound, bei dem die Bloodflowers-Wettervorhersage statt Weltraum-Nebel immer öfter ein Fuzz-Pedal-Gewitter verheißt.
Kein Zweifel, mit ihrer neuen 4-Track-EP „Devotion“ läuten Bloodflowers eine neue Ära ein – klanglich wie personell. Von Nadia Wardi, der Gitarristin und Sängerin mit indonesischen Wurzeln, bereits 2018 aus der Taufe gehoben, entstand die erste 7″-Single „String Of Hearts“ 2021 in Triobesetzung mit Matthias Köhnen am Schlagzeug und Tim Dierich am Bass, bevor für das Album „Nebula“ Keyboarder Gereon Gründer hinzustieß und Bloodflowers völlig neue Möglichkeiten für ihre hypnotischen Soundscapes zwischen Traum und Realität, zwischen Licht und Schatten eröffnete.
Inzwischen gehören neben Wardi und Köhnen Tristan Müller an der Gitarre und Yanco Przyborowski am Bass zur Band, und das hat auch auf „Devotion“ deutliche Spuren hinterlassen, auch wenn die musikalischen Vorbilder sich nicht grundlegend geändert haben.
Köhnen macht im Gaesteliste.de-Interview die klangliche Neuausrichtung nicht zuletzt an der veränderten Besetzung der Band fest. „Ich glaube, so neu ist das alles gar nicht“, sagt er. „Hätten wir in der Konstellation schon unser erstes Album aufgenommen, wäre der klangliche Unterschied zu ‚Devotion‘ sehr schmal. Es ist eher so, dass durch neue Leute auch neue Möglichkeiten im Raum stehen, die man nutzen sollte, anstatt zu versuchen, alte Gewohnheiten verkrampft ersetzen zu wollen.“ Das sieht auch Przyborowski so: „Ich würde nicht sagen, dass es einen konkreten Wunsch gab, und verändern zu wollen. Der Sound der neuen Stücke hat sich natürlich entwickelt. Ein Baum wünscht sich nicht zu wachsen, er tut es einfach…“
Vielleicht auch deshalb klingen die Neuerungen auf „Devotion“ nie wie ein erzwungener U-Turn, sondern wie eine organische Weiterentwicklung. Während die Songs „Magma Red“ und „Ocean Of Creation“ zumindest streckenweise dafür sorgen, dass das Band zur Vergangenheit nicht vollends abreißt, faszinieren „Scented“ und das Titelstück mit ihrer Hinwendung zu einem wuchtigeren und gleichzeitig bisweilen auch düsteren Sound. Die psychedelische Tiefe ist geblieben, trifft jetzt aber auf die rohe Energie des Stoner Rock der 90er-Jahre. Eine große Überraschung ist das nicht. Schließlich konnten Bloodflowers bei der Produktion von „Nebula“ viel lernen, und diese Erfahrungen flossen nun in die Arbeit an der neuen EP ein.
„Ich glaube, die Aufgabenverteilung und damit auch das Pflichtgefühl gegenüber den anderen, rechtzeitig abzuliefern, ist stärker geworden”, verrät Köhnen. „Es gab hier und da noch ein paar Sachen, die man in Zukunft wieder anders machen würde, aber das war der größte Unterschied zu ‚Nebula‘.“
Wer hingegen glaubt, dass der Hang zu mehr Dynamik und einer lauteren, raueren Klangfarbe gewissermaßen das Spiegelbild der Texte ist, die ebenfalls mehr Mut und Kraft symbolisieren, ist auf dem Holzweg. „Es ist eher andersrum“, erklärt Köhnen. „Die Texte spiegeln die ‚raue‘ Klangfarbe wider. Es gibt auf jeden Fall Parallelen zum Album, aber grundsätzlich steht bei uns in erster Linie die Musik, und danach kommt der Text.“
Trotzdem sei die Frage erlaubt: Was ist das Ziel beim Texten? Geht es um das Festhalten von bestimmten Momenten, um ein Verstehen, oder ist das Ziel, durch die künstlerische Verarbeitung Antworten auf ungeklärte Fragen zu finden?
„Wenn die Musik da ist, versuche ich sie zu spüren und zu fühlen, und daraus entsteht eine Vision und der Text dazu“, erklärt Wardi. „Es ist mehr ein Gefühl, ein Ausdruck, als dass ich drüber nachdenke. Mit Intuition versuche ich, die Musik in Worte zu fassen. Genau das spiegelt sich in ‚Devotion‘ wider. Wir gehen von dieser Kraft des Universums, dieser Stille und diesem Schwebenden hinein in die Dunkelheit, weil wir erkennen, dass das Leben nicht nur schön ist. Das Dunkle gehört dazu, und in dieser Dunkelheit findet sich auch die tiefste Liebe und Hingabe. Licht und Schatten verschmelzen ineinander. Jetzt gehen wir noch tiefer, ins Vulkanische, ins Kraftvolle. Das ist eine echte Transformation, die wir nicht nur musikalisch durchmachen, sondern auch als Band und als Menschen.“
Der direktere Sound der neuen Songs betont derweil sehr schön, wie viel Emotionen auch weiterhin in der Musik – und in den Texten – von Bloodflowers stecken. Doch gibt es dabei eine gewisses „Lieblingsgefühl“, die sich für das Quartett musikalisch oder textlich besonders gut in Songs „übersetzen“ lässt?
„Das ist eine interessante Frage, über die ich vorher noch nicht so nachgedacht habe. Es ist eine Mischung aus allem, aber momentan finde ich Kraft und Intensität sehr interessant“, verrät Wardi. „Das ist gerade mein Thema. Energie und Kraftquelle, und der Ausdruck dieser Transformation, die wir gerade durchmachen.“ – „Strenggenommen keine Emotion, sondern eher ein Zustand: Aggression“, ergänzt Przyborowski. „Nicht in einem negativen Sinn: Aggression ist etwas Natürliches und kann auch hilfreich sein. Nadia hat es bereits ganz gut beschrieben – ein Vulkan bricht irgendwann auch mal aus. Ob das jetzt positiv oder negativ konnotiert wird, hängt ganz von der Deutung ab.“
Dagegen möchte sich Köhnen nicht festlegen: „Explizit eine Emotion zu nennen, ist schwierig“, gesteht er. „Diese Möglichkeiten, unterschiedliche Emotionen in einen Song zu verpacken, sind, glaube ich, das Schöne daran, weil sie fast grenzenlos sind.“
Allgemeiner gefragt: Was ist für die Bandmitglieder das Schönste daran, ein Teil von Bloodflowers zu sein? Was ist das Wichtigste, was sie für sich aus der Arbeit mit der Band ziehen können? „Das gemeinsame Songwriting, das Rumprobieren und Gestalten von Parts und natürlich die fertigen Songs dann live zu spielen“, erwidert Müller, und Köhnen ergänzt: „Zu sehen wie wir, so verschieden wir auch sind, uns durch die Musik verbinden und identifizieren können.“
Obwohl die „Devotion“-EP jetzt gerade erst erscheint, sind Bloodflowers in Gedanken schon wieder bei der nächsten Veröffentlichung, und wir sind fast sicher, dass auch die wieder klanglich überraschen wird. Apropos Zukunft, wenn es darum geht, welcher Traum für die Band unbedingt noch in Erfüllung gehen soll, sind sich die vier einig: „Freak Valley wäre nett!“
„Devotion“ von Bloodflowers ist eine Eigenveröffentlichung.




