Immerhin zwei Scheiben hat es die Actress turned Songstress Suki Waterhouse auf dem Sub Pop Label ausgehalten. Wir erinnern uns: Als Suki sich erstmals als Musikerin versuchte, produzierte sie mit dem renommierten Indie-Produzenten Brad Cook in Eigenregie das komplette Album „I Can’t Let Go“ und ging damit auf Labelsuche. Den Zuschlag erhielt schließlich Sub Pop denn – so Suki – wenn sie sich schon als Songwriterin an die Öffentlichkeit wenden wollte, wollte sie das auch auf einem coolen Label tun. Die Sache war dann nur die, dass Suki mit ihren musikalischen Bemühungen dann so erfolgreich war, dass sie in kürzester Zeit zum Superstar wurde, sodass sogar ihre bis dahin vielversprechende Schauspiel- und Modelkarriere auf den Backburner geriet und Sub Pop dann Mühe hatte, die musikalische Karriere mit dem zweiten Album „Memoir Of A Sparklemuffin“ noch richtig unterstützen zu können – zumal Suki ihren Lebensmittelpunkt von London nach Los Angeles verlegt hatte und aus ihrer Beziehung mit dem Schauspieler Robert Pattinson auch eine gemeinsame Tochter hervorgegangen war.
Es kam dann, wie es in solchen Fällen zwangsläufig kommen muss: Suki Waterhouse unterschrieb einen Vertrag mit dem Island Label und machte sich mit neuen Ressourcen dann daran, das nunmehr vorliegende, dritte Album „Loveland“ mit einem neuen Team und größeren Ressourcen in Angriff zu nehmen. Dass Suki es mit der Musik ernst meinte – und diese nicht als Hobby betrachtete -, hatte sie ja von Beginn an deutlich gemacht und so führte die neue Situation auch glücklicherweise nicht zu einem künstlerischen Ausverkauf.
Das hat zwei Hintergründe: Zum einen demonstriert Suki Waterhouse in ihren Songs ein gewisses Geschick, ihren (zweifelsohne glamourösen) Lebensstil mit einer Reihe schonungslos offenherziger, selbstkritischer, authentischer Lyrics zu kommentieren und zum anderen versteht sie es, zweifelsohne die richtigen kreativen Partner für ihre Projekte auszusuchen. Waren es auf den ersten beiden Alben Brad Cook und die von ihm zusammengesuchten Musiker, die den Songs ein gewisses Indie-Songwriter-Flair verpassten, so sind es dieses Mal vor allem die britische Songwriterin Natalie Findlay und deren Partner Jules Apollinaire, die Suki Waterhouse beim Schreiben der Songs und der musikalischen Ausgestaltung unterstützten. Auch Aaron Dessner von The National, Dan Wilson von Semisonic und andere wirkten als Songwriter, Musiker und Produzenten auf dem Album mit.
Das führte – fast zwangsläufig – dazu, dass sich die musikalische Ausrichtung auf dem Album von dem Songwriter-orientierten Ansatz der ersten beiden Scheiben mehr in Richtung Leftfield-Pop entwickelte. Das hängt damit zusammen, dass insbesondere Findlay und Apollinaire selbst auch in dieser Richtung tätig sind. Diese Vorgehensweise hatte ihre Vor- und Nachteile. So waren einerseits mehr musikalische Experimente möglich – andererseits fehlt der Scheibe ein echter musikalischer Anker; denn – und das muss gesagt werden – alleine als Vokalistin gelingt es Suki Waterhouse nicht, eine erkennbare musikalische Identität zu verkörpern. Insbesondere in den Momenten, wo allzu stark auf den Pop-Aspekt gesetzt wurde, scheint es, dass man sich zu sehr an der kontemporären Umgebung orientierte und in Richtung Dua Lipa oder Lana Del Rey schielte.
Nötig wäre das nicht gewesen, denn immer dann, wenn Suki besonders persönlich wird und unerwartete musikalische Schlenker ins Spiel kommen, funktioniert die Sache auch ohne direkte Referenzen – so etwa in der Dreampop-Ballade „Notting Hill“, der flotten Lowfi-Pop-Nummer „Tiny Raisin“, der Countrypop-Nummer „Seasons“, der hypnotischen Grunge-Style-Psych-Pop-Ballade „Puppy Dog Eyes“, der Folkpop-Nummer „Morals“ (zu der Mick Fleetwood (!) die Live-Drums beisteuerte) oder dem psychedelisch aufgebohrten, angeschrägten Titeltrack.
Aber um es ganz klar zu sagen: Auch wenn nicht alle Experimente gelungen erscheinen, überwiegen am Ende dann doch die musikalischen Pluspunkte – und mit 14 Stücken ist „Loveland“ ja auch recht üppig ausgefallen. Und dann noch eins: So glatt wie die Produkte jener Kolleginnen, in deren Liga sich Suki Waterhouse als Künstlerin inzwischen bewegt, klingt das Album keineswegs. Zumindest im musikalischen Sinne hat sich Suki Waterhouse also ihre Ecken und Kanten bewahrt.
„Loveland“ von Suki Waterhouse erscheint auf Island/Universal.




