Schon mit ihren an dieser Stelle in den höchsten Tönen gelobten ersten drei Alben hat Ella Williams alias Squirrel Flower eindrucksvoll bewiesen, dass sie sich nicht gerne auf ein bestimmtes Genre festnageln lässt.
Mit ihrem vierten Werk, „Say A Prayer To The Gods Of Getting Going“, vollzieht die in Chicago heimische Musikerin nun eine weitere faszinierende stilistische Kehrtwende. Wo der 2023er-Vorgänger „Tomorrow’s Fire“ noch von bisweilen brachialen Grunge-Gitarren und lautem Indierock dominiert worden war, regiert auf der neuen LP fast durchweg eine fast schon meditative Intimität.
Geschrieben hat Williams die neuen Lieder während einer rastlosen US-Tournee. Nicht zuletzt deshalb funktioniert das Album wie ein musikalisches Reisetagebuch, das die Einsamkeit endloser Highways und die Sehnsucht nach Erdung perfekt einfängt. Vor diesem Hintergrund ergibt es durchaus Sinn, dass Williams hier heftige Distortion gegen einen warmen, ätherischen Folk-Rock-Sound und rauchige Americana-Einflüsse eintauscht, der bei Highlights wie „Not Me“ vor 30 Jahren auch Lucinda Williams gut zu Gesicht gestanden hätte.
Unterstützt von einer hochkarätigen Chicagoer Musiker-Riege – darunter Mitglieder von Twin Peaks und Horse Jumper Of Love sowie Dave Hartley von The War On Drugs – bestechen die elf Tracks mit einer spürbaren Live-im-Studio-Atmosphäre. Die Produktion von Alex Farrar, der bereits den Vorgänger klanglich in Szene gesetzt und zuvor auch mit Wednesday und MJ Lenderman gearbeitet hatte, verleiht den Songs eine melancholische Tiefe, für die selbst Vergleiche mit Giganten wie Mazzy Star oder Cat Power nicht zu hoch gegriffen erscheinen. Bei „Reelin’“ könnte man sogar glauben, dass Tom Petty Pate gestanden hat.
Das macht „Say A Prayer…“ zu einem hypnotischen, berührenden Werk über das Unterwegssein und die Suche nach dem eigenen Platz in einer sich immer schneller drehenden Welt – und ganz einfach zum nächsten Juwel in einer jetzt schon beeindruckenden Diskografie.
„Say A Prayer To The Gods Of Getting Going“ von Squirrel Flower erscheint auf Polyvinyl.




