Noch liegen die Joe Cocker-Homage zur „Mad Dogs & Englishmen“-Tour sowie die vierteilige „I Am The Moon“-Saga neben dem Plattenteller, da kommen Susan Tedeschi und ihr Ehegatte Derek Trucks mit einem neuen Album um die Ecke. Bis zu zwölf Musiker bevölkern ihre Band, was geradezu nach ausufernden Soli und einem Jam-Session-Charakter schreit. Und die meisten Alben, besonders die Live-Platten, bieten genau dies. Schließlich stammt Trucks aus der großen Allman Brothers-Familie und Adel verpflichtet. Der Titel des neuen Tonträgers, „Future Soul“, signalisiert allerdings einen in die Zukunft gerichteten Blick, wenngleich das augenzwinkernd gemeinte Cover, auf dem Tedeschis und Trucks Superhelden-Kostüme einen traditionellen Jeanslook ergänzen. Trucks aber zieht bewusst das Hemd zur Seite, als wollte er sagen: „Schaut mal, wir retten die Welt vor seelenlosen KI-generierten Songs.“ Denn hinter ihnen streckt ein riesenhafter Roboter bedrohlich seine Maschinenpranken nach ihnen aus.
Nun setzt die Tedeschi Trucks Band hier keineswegs auf reine Soul-Musik und einen völlig neuen Zukunftsentwurf, bieten sie ebenso wenig. Gott sei Dank. Was aber auffällt, ist die Entscheidung für kompakte Songstrukturen, die sich zwischen drei und fünf Minuten einpendeln. „Crazy Cryin‘“ lässt das Fanherz gleich höherschlagen, beginnt das Album doch mit einer kongenialen Mischung aus Funk, Rock und Soul. „I Got You“ erhält einen fließenden Americana-Touch, veredelt durch Gabe Dixons Klavier- und B3-Orgel-Parts und die Bläser-Sektion. Dixon steuert zudem zwei eigene Kompositionen zum elf-teiligen Reigen bei. Das bläsergetriebene „Be Kind“ gerät zu einem Ohrwurm, dessen Refrain nach einmaligem Hören sofort mitsingbar ist. Und sein Blues-Rock-Shuffle „Devil Be Gone“ schlendert lässig voran.
Für das folkige „What In The World“ mit dezenter Orgel und am Ende souligem Background-Gesang nimmt Tedeschi ihre Stimme, die so schön rau und kratzig klingen kann, ebenso zurück wie für die fast poppige Ballade „Who Am I“. Und wenn sich der Hörer gerade wohlig und zufrieden im Sessel zurückgelehnt hat, setzt Trucks mit einem beseelten Gitarren-Solo noch einen drauf – knapp, auf den Punkt gespielt und jenseits selbstgefälliger Daddelei. Mit dem Countryrock von „Ride On“ wird ein entspannter Schlusspunkt gesetzt.
„Under The Knife“ mit Mike Mattisons Lead-Vocals hätte in den 1970ern ein Charts-Hit werden können, während der Titelsong „Future Soul“ mit einem eingängigen Gitarrenriff und Tedeschis leicht verzerrter Stimme punktet. Ein klassischer Rocker mit Soul im Blut. Auch in „Hero“ singt sich Tedeschi die Seele aus dem Leib. „I’m not your hero“ lässt sie uns wissen. Die Superhelden-Shirts sind wirklich nur Spaß.
„Future Soul“ der Tedeschi Trucks Band erscheint auf Fantasy Records/Universal Music.



