„My Masochistic Mind“ hieß das 2023 Debütalbum von Caroline Miner Smith, die sich als Künstlerin unter dem Moniker Siiickbrain verkauft und nun mit „Houndstooth“ das zweite Album vorlegt. Irgendwie lässt sich schon alleine an der Namensgebung erahnen, dass es der stark tätowierten, für gewöhnlich glatzköpfigen, Body-modifizierten Schauspielerin, Musikerin, Produzentin, Aktivistin und Konzeptkünstlerin nicht um unterhaltsame Pop-Musik gehen kann – und dieser Eindruck bestätigt das neue Werk dann auch eindrucksvoll.
Konzeptionell und visuell handelt es sich dabei auch weniger um ein klassisches Musikalbum, sondern eher um ein Dokument der Selbstdarstellung und ein Manifest des Empowerment. Allerdings geht es dabei nicht um das Empowerment anderer, sondern alleine um das Selbst. „I Am Who I am Look like I do Dress like I do Talk like I do It’s not for you But to scare you I am a god“ singt Siiickbrain etwa in dem Song „Murky Water“ und „I always get what I want“ meint sie gleich einleitend in dem Track „Palo Alto“.
Ansonsten bringt sie – meistens mit harschen Bildern, Profanitäten und provozierenden Formulierungen ihre Verachtung für die üblichen Konventionen des menschlichen Umgangs – aber vor allen Dingen alle Formen der Mysogynie zum Ausdruck „Kuntfetish for president – I advise you to go vote in the back of the club“ heißt es beispielsweise in dem mit Rapperin „Fetish“ vorgetragenen Track „Filthy“. Kurzum: „Houndstooth“ ist eine feministische Kampfansage gegen das Establishment – bzw. dessen Regeln und Normen.
Musikalisch hat sich die Gute ziemlich heftigen Stoff aus der Industrial/Techno/Club/Trance-Ecke ausgesucht. Es gibt harte Beats, düstere Soundwaves, pulsierende Grooves und unerbittliche Synth-Sequenzen – die oft mit unerwarteten Breaks für Schluckauf-Momente sorgen – aber keine Gitarren. Insofern ist die Sache zwar durchaus für den Club-Einsatz geeignet, man muss sich aber den Flow dann schon selbst zusammendenken und sich auf eine ganz eigene Bewusstseins-Ebene begeben. Der Track „Palo Santo“ etwa enthält mitten im schönsten Trance-Groove einen lyrischen Bridge-Teil mit Gesang und ohne rhythmische Akzente. Das ist also ganz schon kompliziert und teilweise regelrecht anstrengend – und soll es wohl auch sein.
Für Versöhnliches bleibt da nicht viel Raum – nur gelegentlich, wie etwa mit dem Refrain des Tracks „Loser“ flirtet Siiickbrain mit Melodie, Griffigkeit und Zugänglichkeit. Es sind dann auch die wenigen Gesangspassagen, die die Sache musikalisch erträglich machen. Und dann noch etwas: Die Vocals sind weitestgehend dermaßen getweakt, komprimiert und artifiziell verdichtet (etwa indem sie gesampelt wurden), dass ihnen die menschlichen Emotionen zugunsten einer harschen Cyborg-Effektivität entzogen wurden. Das macht die – meistens im Spoken Word oder Rap-Modus vorgetragenen – Traktate auch weniger verständlich. Die Gesangspassagen wirken dann geradezu Wunder in Sachen Zugänglichkeit – die freilich nur von kurzer Dauer sein kann.
Das Ganze wird visuell durch die durch-choreografierten Videos entsprechend unterstützt, auch wenn es hier ziemlich dirty und crazy zugeht und auch die Bilder sicherlich nicht ihrer ästhetischen Qualität wegen gewählt werden, sondern wegen ihres Schock-Potentials. Kurzum ist „Houndtooth“ nun wirklich kein Album, das man sich zur Unterhaltung anhört, sondern wenn man mal wieder einen motivierenden Mindfuck braucht. Aber wie gesagt: Es geht ja hier nicht um Pop Musik, sondern um Statements und Selbstdarstellung.
„Houndstooth“ von Siiickbrain erscheint auf Pale Chord/Universal.




