„Endlich!“, möchte man sagen. Auf der Bühne begeisterte das britische Indierock-Quartett overpass auch hierzulande des Öfteren, beim Reeperbahn Festival oder auch als Support von Wunderhorse. Die erste LP der Band aus Birmingham ließ aber lange auf sich warten. Das ändert sich jetzt.
„Elsewhere, Always“ heißt das Album, und es ist ein richtig starkes Debüt geworden. Während overpass auf den vorangegangenen EPs „From The Night“ (2024) und „Dependent“ (2025) noch in erster Linie ungestüme, treibende Riffs und klassischen, britischen Indie-Pop setzten, spürt man nun all die Erfahrung, die die Band auf ihren unablässigen Tourneen gesammelt hat.
Das schlägt sich in einem Album nieder, das spürbar abwechslungsreicher ist als alles, was zuvor kam. Die größte Veränderung liegt vermutlich im Mut zur Lücke und zur Verletzlichkeit, denn hier wird die wuchtige Dringlichkeit der Vergangenheit nun bei Songs wie „Fall In Love“ oder „Spinning“ auch gegen eine melancholische Weite und klangliche Breitwandigkeit eingetauscht, die an anderer Stelle bereits Vergleiche mit Größen wie Slowdive oder The War On Drugs heraufbeschworen haben. Es gibt sogar eine lupenreine Akustiknummer, mit der sich Frontmann Max Newbold und Bassistin India Armstrong als „Bonnie & Clyde Part 2“ in Szene setzen.
Singles wie „Union Station“ oder „Sandman“ haben zwar die gleiche Durchschlagskraft, die man auch von früheren 90er-Jahre-infizierten Bangern kannte, doch inhaltlich geben sich overpass nun spürbar tiefgründiger. Die teenage dreams sind ausgeträumt, jetzt geht es darum, sich ehrlich und unumwunden den neuen Herausforderungen zu stellen, die das Leben für Menschen Mitte 20 bereithält.
So ist „Elsewhere, Always“ dann kein fader Abklatsch der EPs, sondern ein Album, mit dem overpass einen ordentlichen Satz nach vorn machen, wenn jugendliche Unbeschwertheit den Weg frei gibt für atmosphärischen Tiefgang und den ein oder anderen stadiontauglichen Refrain.
„Elsewhere, Always“ von overpass erscheint auf Communion/Bertus.




