Seit ungefähr 25 Jahren ist der neuseeländische Musikus Finn Andrews mit wechselnden Musikern mit dem Projekt The Veils musikalisch unterwegs. Ursprünglich als hoffnungsvolle Gitarrenpop-Band unter Mithilfe von Geoff Travis und Bernard Butler gestartet, haben sich The Veils im Laufe der Zeit zu einer ganzheitlichen Projektionsfläche für die musikalischen und inhaltlichen Konzepte von Andrews entwickelt. Eine Gitarrenband sind The Veils dabei schon länger nicht mehr. Spätestens mit dem Labelwechsel anlässlich des letzten Albums „Asphodels“ hat sich eine Arbeitsweise entwickelt, bei der Finn Andrews sozusagen die alleinige Regie im Studio übernommen hat.
Obwohl The Veils gemeinhin als brillante Live-Band gelten, hat Andrews zum Beispiel das Material der neuen Scheibe alleine mit Produzent Tom Healy – nur gelegentlich unterstützt von Tourdrummer John McCallum – eingespielt. Das prägt natürlich den Sound des Albums ungemein. Das Ergebnis dieser Vorgehensweise ist eine Art von Artpop – oft auf Klavier- und Keyboard-Basis –, die Andrews nutzt, um seine philosophischen Gedankengänge und Kommentare zum fragilen Weltzustand mit hypnotischer Eleganz und mantraartiger Konsequenz in Form transzendenter Elegien fast schon lautmalerisch auszulegen.
Pop-Musik im klassischen Sinne ist das schon lange nicht mehr. Dank Andrews unaufgeregt stoischem und nur gelegentlich larmoyantem Vortrag und der offenen Struktur des Materials klingen da oft spirituell anmutende Untertöne mit, wie man sie etwa von Van Morrison oder ähnlich getakteten Zeitgenossen kennt. Auf der musikalischen Seite kommt das dem nahe, was The Slow Show oder The National – mit teils anderen Mitteln – auch machen. Andrews nutzt dabei lyrische Beschreibungen der zerfallenden Gewissheiten in der zunehmend instabileren Welt als Metapher für den kreativen Prozess, nachdem das Album in einem offenen kreativen Dialog zustande kam. Ein Prozess, der laut Andrews zwar auch beängstigend sein konnte – aber weniger so als etwa die reale Welt da draußen.
Dass auch Andrews keine Antworten auf die drängenden Fragen der Gegenwart hat, wird dabei oft durch den vorsichtig tastenden Charakter der neuen Musik deutlich. Andrews beschränkt sich darauf, in Songs wie dem Titeltrack „Little White Bird (Fragile World)“ oder „The Widening Dark“ kommentierend seinen Gospel according to feilzubieten und findet dabei nur gelegentlich einen Silberstreif am Horizont, dem es entgegenzustreben gilt. Dabei entstehen dann Tracks wie „New Day“ oder „These Are The Days“, die auch musikalisch etwas mehr bieten, als verklärte Kontemplation und mit einer kämpferischer bzw. versöhnlicher Note aufwarten. Aus diesem Grund ist „Fragile World“ dann auch weniger gedämpft und introspektiv ausgefallen als noch das letzte Album „Asphodels“. Das hat System, denn laut Andrews macht er jedes neue Album als „Sühne für das (jeweils) letzte“. Das ist ihm mit „Fragile World“ im Großen und Ganzen auch gelungen.
„Fragile World“ von The Veils erscheint auf V2/Bertus.




