„Your Day Will Come“ war der Titel des 2024er Debütalbums des amerikanischen Musikers Shane Lavers a.k.a. Chanel Beads. Es ist aber auch der Name des nun vorliegenden zweiten Chanel Beads-Albums – und dabei handelt es sich nicht um ein Re-Issue des Debüts, sondern um eine neue Songsammlung. Zunächst sicherlich gedacht als Systemkritik an einer Welt, in der Labels und Tags (und damit Kategorisierungen) einen immer größeren Raum einzunehmen drohen, scheint es nun aber so, dass das Thema des Debüts noch nicht ganz ausgelotet war und für den Auteur eine tiefere Bedeutung erlangte – eben weil er als werdender Musikus noch nicht absehen konnte, ob seine Stunde (oder sein Tag) tatsächlich im Bereich des Möglichen liegen konnte. Ein Unterthema des neuen Albums scheint dann auch Layers Kampf gegen ein mögliches Imposter-Sydroms zu sein.
Leicht zu kategorisieren ist das Werk auch auf der musikalischen Seite nicht. Es gibt knorrig/schrulligen Indie-Pop, der mit seiner DIY Low-Fi-Ästhetik an die Traditionen der emsigen Soundfrickler der 90er anknüpft. Das neue „Your Day Will Come“-Album ist dabei ambitionierter angelegt als das erste. Zwar steuert Shane Layers immer noch den größten Teil des musikalischen Materials bei (inklusive seines im Stile eines trotzigen Kleinkindes vorgetragener, nasaler Quengelgesangs) – lässt aber auch seinen „Bandmates“ mehr Raum sich zu profilieren. So etwa Geiger Zachary, der mit seinen psychedelischen Drones das Klangbild schon ziemlich prägt oder Sängerin May McGrory – die zwar den Dreampop-Track „Silver Cup“ mitschrieb, deren gesangliche Beiträge aber gerne (wie bei eben diesem Song) etwas deutlicher in den Vordergrund gestellt hätten werden dürfen. Weitere Live-Instrumente werden von einer Schar von Gästen beigesteuert – was aber die Low-Fi-Ambitionen nicht wesentlich mindert, da Spontaneität und Impferektionen ausdrücklich begrüßt wurden.
Wie aufgrund des philosophischen Namens-Unterbaus nicht anders zu erwarten, ist die Musik von Chanel Beads nicht einfach zu fassen. Sagen wir mal so: Mit der Unbekümmertheit eines jungen Conor Oberst auf dessen ersten Bright Eyes-Gehversuchen kümmert sich Shane Layers nicht besonders um musikalische Konventionen und Formate, sondern mischt alles, was ihm gerade unterkommt, seiner Narrative als Forscher in Sachen Klangkunst unter – ohne dabei ein bestimmtes Ziel im Sinn zu haben. Kein Wunder, denn Layers sagt, dass der Aufnahmeknopf in seinem Studio in Brooklyn oft gedrückt wurde, bevor die Songs geschrieben waren. Irgendwie scheint der Mann aus Minnesota (und seine Mitstreiter, die aber ausdrücklich keine Band sein wollen) den Nerv einer bestimmten Zielgruppe gefunden zu haben, denn Chanel Beads begleitete Lorde auf ihrer letzten Arena Tour als Support Act.
„Your Day Will Come“ von Chanel Beads erscheint auf Jagjaguwar/Cargo.




