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Mit dem Band-Projekt Torpus & The Art Directors war Sönke Torpus – zusammen mit seinen Kumpels Melf Petersen, Ove Thomsen und Jenny Apelmo – zwischen 2009 und 2018 eine feste Instanz in Sachen Indie-Pop aus deutschen Landen. Es war dann zwar nie eine endgültige Entscheidung, das Projekt an den Nagel zu hängen, aber als Melf Petersen die Band verließ, Ove und Jenny sich intensiver mit ihren eigenen Projekten beschäftigten und Sönke den über eine längere Zeit aufgestauten Wunsch verspürte, etwas Neues ausprobieren zu wollen, entschloss er sich, sich zunächst einmal aus dem Musikgeschäft zurückzuziehen.
Sönke zog aufs Land an die dänische Grenze, kaufte einen Hof und richtete sich dort in einer alten Scheune ein eigenes Studio ein – allerdings zunächst gar nicht, um darin selber zu musizieren, sondern um seine Freude am Bauen als Tischler auszuleben. Es war dann eine Zufallsbekanntschaft mit dem Produzenten Olaf Opal, bei dem Sönke dann als Produzent und Tontechniker in die Lehre ging, die dazu führte, dass Sönke langsam – über die Zusammenarbeit mit den Musikern, die er dann technisch betreute – mit einem neuen Ansatz wieder zur Musik zurückfand. Über einen Zeitraum von insgesamt fünf Jahren entstand dann – in enger Zusammenarbeit mit dem Produzenten und Musiker Helge „Helgi Helgasson“ Schulz – eine neue Sammlung von Songs, die Sönke nun unter dem Projektnamen Low Key Orchestra auf dem Album „Before The Reverb“ veröffentlicht.
Im Gegensatz zu dem Gitarren-orientierten Sound der Art Directors strahlt das Album „Before The Reverb“ mit seinen vielschichtigen, experimentierfreudigen Arrangements und dank des Einsatzes vieler Vintage-Instrumente ein geradezu heimeliges, organisches Flair aus. Hat sich Sönke das alles alleine ausgedacht?
„Nein – ich habe das mit Helge Schulz – oder Helgi Helgasson als Künstlername – zusammen gemacht, der das Album auch produziert und gemischt hat“, berichtet Sönke, „es gab dann zwar die Idee einer Art von Band, die aber hauptsächlich aus einem Schlagzeuger bestand, den wir uns eingeladen haben, um ein bisschen zu trommeln. Das Album ist aber überwiegend zu zweit entstanden – mit dem Wunsch allerdings, dass es tatsächlich wie eine Band klingen sollte. Es hat sehr, sehr, sehr lange gedauert, diesen Sound zu finden und zu realisieren – und das ist auch der Grund dafür, dass das Album erst jetzt rauskommt. Wir haben nämlich fünf Jahre lang daran gearbeitet.“
Wie lief dieser Prozess denn ab?
„Das war ja keine klassische Produktion im Sinne von ‚wir sind eine Band und gehen jetzt ins Studio, nachdem wir zwei Wochen geprobt haben‘“, gibt Sönke zu Protokoll, „Helge und ich mussten erst mal rausfinden, wie der neue Sönke, der jetzt wieder Lust hat, Musik zu machen und ein paar neue Lieder geschrieben hat, eigentlich klingt oder klingen sollte. Ich habe zum Beispiel Lieder am Klavier geschrieben und nicht nur auf der Gitarre. Wir haben uns dann gefragt: Klingt das jetzt vielleicht wie eine Klavierplatte? Oder wie eine Orchester-Platte? Oder doch wie eine Band? Gibt es Bläser?
Es gab so ganz viele Möglichkeiten, die alle offen waren – weil es eben keine feste Band-Besetzung gab. Das war natürlich auch eine Chance – und die haben wir auch genutzt. Erstens, weil ja niemand auf das Album gewartet hatte – und wir somit Zeit hatten. Und zweitens, weil wir eben keine feste Besetzung hatten. Wir haben uns dann gesagt, dass wir alles selber rausfinden müssten. Es gibt auch von vielen Liedern drei, vier, fünf ganz verschiedene Versionen, die wir bis zu Ende – vom Arrangement bis kurz vor dem Mix – gedacht haben; und uns dann vielleicht gesagt haben – okay, probieren wir es aber doch noch mal in eine andere Richtung.
Das ist dann das, was so viel Zeit gekostet hat – die aber auch sehr wichtig und schön war und die mir geholfen hat, herauszufinden, wie das denn sein sollte – wenn ich jetzt schon wieder anfange, Musik zu machen. Und das Album ist dann das Ergebnis von diesen fünf Jahren Forschung.“
Gab es denn irgendeine Art von Inspirationsquelle, die dafür verantwortlich zeichnet, dass die Arrangements, die jetzt auf der fertigen Scheibe zu hören sind, ausgewählt wurden? Denn die sind allesamt sehr vielschichtig und für Sönkes bisherige Arbeiten eher ungewöhnlich.
„Also, ich habe mich natürlich über ganz verschiedene Ecken inspirieren lassen“, meint Sönke, „ich würde jetzt nicht sagen, dass es irgendein konkretes Vorbild gab. Es gibt das Sachen, die mich selbst beeindruckt haben wie z.B. die Band Muzz – und da gibt es irgendeine Verbindung zu The National – oder bei meinem Song ‚Send Love‘ war ich bei Vampire Weekend – wegen der Buntheit und der Offenheit.“
Dabei gelangen Sönke mit Songs wie „Maybe Words“, „Backseat Driver“, „Too Shy To Show“, „On The Run“ oder „Send Love“ deutlich mehr als eine Handvoll Tracks mit regelrechtem (Indie)-Hitpotential, starken (Mitsing)-Refrains, interessanten Stilmixen und intelligenten Song-Strukturen. Hängt das vielleicht auch damit zusammen, dass der neue Sönke nach der längeren Pausen-Phase jetzt wieder musikalisch neugierig geworden ist?
„Musikalisch neugierig?“, fragt er zurück, „irgendwie ja – das hat aber nicht die Ausprägung, dass ich super-viel Musik höre. Ich bin neugierig und probiere ganz viel aus. Ich habe jetzt zum Beispiel gerade ein Alt-Saxophon gekauft. Ich gehe über den Flohmarkt, sehe für nen Fuffi ein Altsaxophon und denke: Oh – das kann ich ja noch nicht – also kaufe ich mir das mal. Jetzt liegt es hier zwar seit einem halben Jahr herum – aber darin liegt ein Reiz für mich, solche Sachen auszuprobieren und so auch eine Flexibilität zu behalten und mich nicht auf einen Band-Sound zu fokussieren.
Ich habe jetzt schon eine Vorstellung davon, wie das nächste Album klingen könnte – und das wird ganz anders sein, als dieses. Das hat sich auch ergeben, durch die Zusammenarbeit mit anderen Bands. Aber es ist schon so, dass ich neugierig bin. Ich bin nur manchmal erstaunt darüber, wie wenig Musik ich höre. Das liegt aber wahrscheinlich daran, dass ich den ganzen Tag eh Musik in meinem Kopf habe. Da läuft die ganze Zeit ein Lied, an dem ich gerade arbeite oder was ich gerade geschrieben habe – und das läuft dann durchgehend. Oder wenn ich etwas produziere, dann läuft natürlich diese Musik. Es ist deshalb gar nicht so, dass ich immer am Zahn der Zeit bin, was neue Musik betrifft, die andere Leute veröffentlichen. Das kriege ich ehrlicherweise gar nicht immer so mit.“
Gibt es irgendetwas, was Sönke Torpus in der Zukunft musikalisch noch besonders reizen könnte? Die Standard-Antwort auf diese Frage ist ja für gewöhnlich: „Ich möchte einmal mit einem Orchester spielen.“
„Ja – schön, dass du die Antwort dann vorweg nimmst“, schmunzelt Sönke, „ich habe aber witzigerweise gerade erst vor ein paar Tagen die Calexico-Live-Platte mit dem Filmorchester Babelsberg gehört. Das wäre für mich das Nonplusultra einer Orchester-Platte. Ich kann mich natürlich auch von diesem Gedanken nicht frei machen. Das ist schon schön und interessant.
Um aber diese Antwort lieber nicht zu geben, würde ich sagen, dass ich gerade einen großen Hang zu Bläsern verspüre und könnte mir vorstellen, die Ideen, die ich so gerade entwickele, umzusetzen – da kann ich aber gar nicht so viel zu verraten, aber das ist eine Klangfarbe, die mich gerade sehr interessiert. Ich merke, dass es immer bestimmte Klangfarben gibt, die etwas mit mir machen. Vor einigen Jahren gab es zum Beispiel eine Orgelphase. Da habe ich überall kleine Orgeln gekauft und die gespielt und darauf komponiert. Jetzt gerade sind es halt irgendwie Blechbläser. Aber ich habe ja noch ein bisschen Zeit.“
Nun, da müsste er aber doch erst mal lernen, das Saxophon zu spielen, das er sich für einen Fuffi auf dem Flohmarkt gekauft hatte.
„Ja – aber ich kenne da auch ein paar gute Leute, die das schon können. Es gibt aber auch generell so viele Möglichkeiten. Ich fände es zum Beispiel auch spannend, mal eine ganze A-Cappella-Platte zu machen. Ideen habe ich aber sowieso mehr, als ich jemals umsetzen könnte – da muss ich mich für irgendetwas entscheiden.“
„Before The Reverb“ von Low Key Orchestra erscheint The Resort.




