Eines ist schon nach ein paar Takten von „Philadelphia’s Been Good To Me“ klar: Auch auf seinem zehnten Album bleibt Kurt Vile der unangefochtene König des tiefenentspannten Indie-Rock. Das Album ist eine 64-minütige Liebeserklärung an seine US-amerikanische Heimatstadt geworden, die auf radikale Stilbrüche verzichtet und eher darauf abzielt, neue Nuancen im Vertrauten zu finden. So steht der oft hypnotische, stets psychedelisch angehauchten Sound, der Vile schon vor zwei Jahrzehnten zum Markenzeichen wurde, auch auf „Philadelphia’s Been Good To Me“ allgegenwärtig.
Der famose Opener „Zoom 97“ gibt den unaufgeregten Ton vor. Vile nimmt die Hörer virtuell mit auf eine ziellose Autofahrt über den malerischen Lincoln Drive in Philadelphia und löst mit scheppernden Gitarren, viel Reverb und seinem charakteristisch nuschelnden Sprechgesang sofort zeitlose Roadtrip-Assoziationen aus.
Der von Produzent Rob Schnapf inszenierte Sound ist analog, klar und warm und fasziniert mit einem Gefühl der Spontaneität, ganz so, als würden diese Songs erst vor den Ohren der Hörerinnen und Hörer entstehen.
Vielleicht auch, weil dies das erste Album nach dem tragischen Tod von Viles engem Wegbegleiter Rob Laakso ist, mischt sich unter die lässige Leichtigkeit auch eine Menge Melancholie, selbst wenn die Songs nicht direkt von seinem langjährigen Bandkollegen handeln. Nostalgische Stücke im Neil-Young-Modus wie „Every Time I Look At You“ oder das bittersüße, vorab ausgekoppelte „Chance To Bleed“ blicken wehmütig die Vergangenheit zurück.
Im wunderbar souligen Titeltrack hingegen treffen watteweiche Synthesizer-Wolken auf einen extrem entschleunigten Beat, während Vile über den verschmutzten Schuylkill River singt („Let’s hope it don’t fall into the Schuylkill River / That’s the river that’s polluted as hell“) und dabei unterstreicht, dass man nicht nur die rausgeputzen schönen Ecken seiner Heimat lieben kann („It runs through my town and I ain’t puttin‘ it down“).
Auf „Philadelphia’s Been Good To Me“ erfindet sich Vile gewiss nicht neu, aber das stand auch nie zur Debatte. Vielmehr ist das Doppelalbum das wunderbar organische, entwaffnend ehrliche Werk eines gereiften Musikers, der zu seinen Wurzeln steht und mit sich selbst und seiner kreativen Komfortzone vollkommen im Reinen ist.
„Philadelphia’s Been Good To Me“ von Kurt Vile erscheint auf Verve Forecast/Universal.




