Ängstlich, aber mit Leichtigkeit? Auf seinem mit Spannung erwarteten Debütalbum „The Fear That This Is Real“ beweist das weitgereiste niederländische Schwester-Duo Sarah Julia, dass die Vorschusslorbeeren der letzten Jahre absolut gerechtfertigt waren.
Der gemeinsame Weg führte die beiden Musikerinnen Sarah und Julia Nauta aus der lebendigen Amsterdamer Theater- und Filmwelt, in der sie erste kreative Sporen verdienten, direkt hinein in die internationale Indie-Folk-Szene. Diese darstellerische und erzählerische Vorgeschichte merkt man dem Album in jeder Sekunde an: Das Songwriting ist emotional dicht, intim und von einer fast schon filmischen Qualität geprägt. Wer da im Hintergund Phoebe Bridgers leuchten sieht, liegt sicherlich nicht ganz falsch.
Um diesen feinfühligen, atmosphärischen Stücken die richtige Erdung zu verleihen, wählte das Duo einen geschichtsträchtigen Aufnahmeort: Woodstock im Bundesstaat New York. Die dortige ländliche Abgeschiedenheit und die tiefe musikalische Historie des Ortes atmen spürbar durch die organischen, wunderbar warmen Arrangements der Tracks. Das Album klingt pur, echt und unaufgeregt, ohne dabei jemals in bloße Nostalgie zu verfallen. Die Lieder klingen naturbelassen, aber nicht rustikal und thematisieren all das, was junge Frauen heute bewegt: Herzschmerz, Unsicherheit, Selbstzweifel, Veränderung und die Akzeptanz großer, schwer zu fassender Gefühle.
Zu den absoluten Highlight-Songs der Platte gehört ohne Zweifel die fragile Single „Thoughtless Man“, die von der bittersüßen Symbiose der perfekt harmonierenden Stimmen getragen wird. Auch das melancholische „Cairn“ zieht die Hörer sofort in seinen Bann. Zwar verliert sich das Werk im Mittelteil gelegentlich in allzu gleichförmigen Folk-Strukturen, doch das trübt den Gesamteindruck kaum. Sarah Julia liefern ein reifes, ehrliches Debüt ab, das melancholisch stimmt und doch vor allem wohlig wärmt.
„The Fear That is Real“ von Sarah Julia erscheint bei Nettwerk.




